Donnerstag, 7. Juli 2016

{Lifestyle} Ticket to Ride oder nur zu Fuß ist billiger

Nichts definiert das Wort Hassliebe für mich besser als öffentliche Verkehrsmittel. Auf der einen Seite sind sie ungemein praktisch, verkehren zumindest da, wo ich unterwegs bin, schön regelmäßig, und über Parkplatzsuche im Großstadtdschungel braucht man sich ebenso keine Gedanken zu machen. Andererseits gibt es da auch die Schattenseiten wie zum Beispiel technische Gebrechen, die dazu führen, dass man am Ende eines lauschigen Sommertages bei gefühlten 3.000° eine halbe Stunde in der U6 festsitzt, selbstverständlich eingekeilt zwischen Personen, an denen die Erfindung des Deodorants bedauerlicherweise vorbeigegangen ist.

Zumeist jedoch funktionieren sie auf recht passable Weise und der Öffi-Himmel präsentiert sich maximal mit ein paar Schäfchenwolken. Ab und zu taucht sie dann am Horizont auf, die Gewitterwolke. Die Nachricht, dass ab dem 6. Juli 2016 ein neues Tarifsystem für den Öffentlichen Verkehr in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland in Kraft treten wird, führte bei mir zu einem obligatorischen Augenrollen und der Frage, um wieviel Fahrscheine wohl diesmal teurer würden. 

Myke Christoffel via FreeImages

Wer kann es mir verdenken, dem VOR eine weitere Tariferhöhung zu unterstellen? Bislang verhielt es sich stets so, dass Neuerungen gleichbedeutend waren mit Verteuerungen. Nun weicht der bisherige Zonentarif einem Streckentarif, welcher umfassender, fairer und einfacher sein soll. Wer jetzt an die von den Grünen geforderte 365-Euro-Jahreskarte für die gesamte Ostregion denkt, den muss ich leider entäuschen.


Alle jene, die keine Veränderungen mögen, werden erfreut sein zu hören, dass zumindest in der Kernzone Wien alles beim Alten bleibt, dh Einzel- und Zeitkarten für die ehemalige Zone 100 sind vom neuen System nicht betroffen. Wenn man, so wie ich, außerhalb der Stadtgrenzen Wiens lebt, sieht es völlig anders aus und die oben fett gedruckten Adjektive erscheinen wenig bis gar nicht geeignet, das neue Tarifsystem treffend zu beschreiben. Kommen wir zu zwei der prägnantesten Änderungen und was ich persönlich daran gut oder auch weniger gut finde.

TOP - Einführung von Tageskarten
Dies ist eine wirklich gute Idee! Man kann Tageskarten für den individuellen Reiseweg lösen und braucht nicht mehr mit Einzelfahrscheinen zu jonglieren. Fahre ich zB von Mödling nach Wien, so kostet mich eine Tageskarte € 9,90 - dies inkludiert € 5,50 für die Kernzone Wien und € 4,40 für die Strecke außerhalb Wiens. 
Spar Tipp 
Wer öfters den Tag in Wien verbringt, ist mit der 8-Tage-Klimakarte um € 38,40 sogar noch besser bedient, da hier der Preis für einen Tag bei nur € 4,80 liegt. Für die Strecke von Mödling nach Wien kann man zusätzlich eine Tageskarte um € 4,40 lösen.

FLOP - Überlappungsbereiche fallen weg
Die straffierten Bereiche des Tarifzonenplans gehören nun der Vergangenheit an. Dies wird sicherlich zu dem größten Unmut führen und ich beneide die Ticketverkäufer an den ÖBB Schaltern nicht, wenn sie verdutzten Reisenden mitteilen dürfen, dass sie zB für eine Fahrt von Mödling nach Meidling plötzlich statt € 2,20 das Doppelte zahlen müssen. Wollte man sich dies sparen, müsste man bereits ab Liesing Schusters Rappen bemühen.

    Armend (AD) via FreeImages

    Zum Abschluss noch eine Bemerkung dazu, welche Änderung ich mir bei den als fair angepriesenen Tarifen gewünscht hätte. Zählt man zu der Gruppe der Senioren, dh Personen die das 62. Lebensjahr vollendet haben, kann man sich (theoretisch) über ermäßigte Fahrscheine freuen. Allerdings konnte ich dem Kleingedruckten entnehmen, dass man dazu nach wie vor entweder die Vorteilscard Senior oder die Österreichcard Senior der ÖBB als Berechtigungsnachweis benötigt. Ob sich diese Anschaffung für jeden rentiert, ist natürlich fraglich und ich vermute, dies ist eine Einnahmequelle, auf welche die ÖBB nicht verzichten möchte. Ich finde dies wirklich schade, zumal es in vielen Ländern gang und gäbe ist, dass Senioren solche Ermäßigungen bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ohne Zusatzkosten in Anspruch nehmen können.
    Detail am Rande: Den Wiener Linien genügt bei Seniorenfahrscheinen die Vorlage eines Lichtbildausweises!

    Bist du von den neuen VOR-Tarifen betroffen? Wie findest du das neue System und bringt es dir eine Ersparnis oder Mehrkosten?

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