Dienstag, 5. Juli 2016

{Shopping} Die Glossybox Story oder Aufstieg und Fall der Abobox

Heute könnte ich nicht mehr beschwören, wie und wo ich die Entdeckung ursprünglich gemacht habe. Woran ich mich allerdings mit erstaunlicher Klarheit erinnere, ist die Faszination und das Verlangen auch eine in Händen zu halten. Die Rede ist von der mittlerweile allgegenwärtigen Abobox. Im Jahr 2011 startete die erste und vermutlich bis dato bekannteste solcher Boxen im deutschsprachigen Raum durch, die Glossybox. Deren Konzept hat mich sofort in seinen Bann gezogen und kurioserweise war ich zu dem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise ein Beautyaddict. Zu meiner Verteidigung - ich konnte schon als Kind Wundertüten nicht widerstehen. Das Verhaltensmuster blieb gleich, aber jetzt stieg ich zweifellos in die Erwachsenenliga auf. Viel Überzeugungsarbeit brauchte nicht geleistet zu werden, denn abgesehen vom verlockenden Überraschungseffekt, konnte man mit dieser Box neue Produkte kennenlernen und das noch dazu zu einem unschlagbar günstigen Preis. Was will frau mehr? Nur wenige Tage, bevor der ursprüngliche Preis von € 11,99 ohne Vorwarnung auf satte € 17,95 angehoben wurde, habe ich also ein Abo abgeschlossen und harrte in freudiger Erwartung meiner ersten Box

Glossybox März 2012 via Glossybox

Anfangs war alles neu und spannend und das Öffnen der Box wurde jeden Monat zelebriert. Selbst wenn das ein oder andere Produkt nichts war, was man selbst verwendete, tat dies der Freude keinen Abbruch. Schließlich kostete diese monatliche Überraschungsbox nicht die Welt und es dauerte in Folge nicht lange, bis die ersten Tauschbörsen aus dem Boden schossen, um Boxeninhalt, den man nicht brauchte, gegen solchen zu tauschen, den man gerne hätte. Über kurz oder lang begannen im Glossy-land jedoch erste dunkle Wolken aufzuziehen.

  • Der erste Kritikpunkt war zweifelsohne der plötzliche und nicht gerade dezente Preisanstieg. Zurecht, wie ich meine, immerhin durfte man jetzt 50% mehr für den selben Inhalt zahlen.
  • Bald schon wurde bekritteltet, dass sich zu viele "Proberln" in der Box befänden, woraufhin diese sukzessive Originalgrößen Platz machten, was natürlich nicht jedem Recht war.
  • Während das Konzept der Glossybox auf der Idee basiert(e), regelmäßig eine luxuriöse Überraschung exklusiver Marken und hochwertiger Nischenbrands zu versenden, begannen vermehrt günstige Drogeriemarken die Boxen zu dominieren. Dies stieß nicht bei allen Abonnentinnen auf Gegenliebe.
  • Das spezielle Beautyprofil, das man anlegen kann, wird wenig bis gar nicht berücksichtigt. Da Geschmäcker und Bedürfnisse im Beautybereich so unterschiedlich sind, lässt sich dies auch nur schwer umsetzen.
  • Durch enge Kooperationen mit bestimmten Markenherstellern, taucht(e) so manche Marke in jeder zweiten Box auf. Diese ständigen Wiederholungen brachten Monotonie und in Extremfällen sogar eine Antipathie gegenüber mancher Marken oder Produktkategorien.
  • Ab einem gewissen Zeitpunkt ist man von all den angesammelten - teils getesteten, oft sogar noch original verschlossenen - Produkten mehr oder minder überfordert und im Endeffekt schlicht übersättigt. So wie ein voller Kühlschrank uninteressant, wenn man satt ist, steht frau irgendwann lustlos vorm Badezimmerschrank.

Ich selbst habe die Glossybox immerhin knapp über drei Jahre abonniert. Es gab gute Zeiten*, es gab schlechte Zeiten** und persönlich bedauere ich besonders, dass am Ende kaum mehr Proben hochwertiger Marken zu finden waren und durch solche ersetzt wurden, die ich genauso gut im Drogeriemarkt hätte kaufen können, wenn sie mich denn angesprochen hätten. Ein Patentrezept dafür das Niveau (und damit die Kundinnen bei Laune!) zu halten, scheint noch nicht gefunden, aber wer weiß, was die Zukunft der Aboboxen an Überraschungen bereithalten mag.
*So wurde das Korres Duschgel in meiner ersten Box zu einem meiner absoluten Lieblinge.
**Nämlich derart viele Haarpflegeprodukte, die am Ende nicht mal jemand geschenkt haben wollte.

Nachsatz: Auch wenn hier der Fokus auf der Glossybox liegt, teilen viele andere Aboboxen deren Schicksal. Die anfängliche Euphorie verwandelt sich allzu schnell aus den genannten oder ähnlichen Gründen in Entäuschung oder gar Frust. Vielleicht sollte dies gar nicht überraschen - irgendwann ist bei vielen neuen Dingen (leider) die Luft raus.

Sind Überraschungsboxen für dich verlockend oder kaufst du nicht gerne die Katze im Sack? Falls du eine Abobox beziehst oder bezogen hast, konntest du ähnliche Beobachtungen machen wie ich?

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