Donnerstag, 18. August 2016

{Lifestyle} Service not included oder ein paar Tipps für den richtigen Tip

Mit leicht gerunzelter Stirn blickte ich auf die Rechnung, die mir der Servierer mit breitem Lächeln auf einem Plastiktablett offeriert hatte. Oben links zierte ein mit Kuli gemalter Smiley den Zettel und unten rechts, gleich unter der gedruckten Rechnungssumme, stand eine weitere handgeschriebene Zahl, neben dieser das Wort Tip, unter diesem ein Strich und darunter in fetter Großschrift, das was der gute Mann als eigentliche Endsumme verstand. Ort des Geschehenes war ein Restaurant in den USA, dem Mekka des Trinkgeldgebens schlechthin. Ich verstehe natürlich, wie sehr man hier von selbigem abhängt, aber es mir als offenbar unmündiger Touristin in jedem zweiten Lokal unter die Nase zu reiben, lockt auch nicht mehr Scheine aus meiner Börse. 

Mir im wahrsten Sinne des Wortes vorzuschreiben, wie viel ich an Trinkgeld zahlen soll, empfinde ich als absolut unverschämt. Zugegeben, dieser zum Scheitern verurteilte Versuch mir großzügige 27% fürs Service auf die Rechnung aufzuschlagen* und dann so zu tun, als hätte ich gar keine andere Wahl, als dieses zu bezahlen, war zum Glück nur eine besonders negativ hervorstechende Ausnahme. Im Großteil der Lokale ist der Hinweis, dass Service not included sei, doch weitaus subtiler und dies wird folglich von mir mit entsprechender monetärer Freigebigkeit gewürdigt. 
*In den USA wird übrigens ein Trinkgeld in Höhe von 15-20% erwartet.

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M V via FreeImages

Was genau ist denn Trinkgeld? Es handelt sich um einen freiwillig bezahlten Geldbetrag, der zeigt, wie sehr man mit einer Dienstleistung zufrieden war. Trinkgeld wurde übrigens bereits im Mittelalter nachgewiesen und der Name leitet sich davon ab, dass der Spender das Geld mit dem Wunsch gab, man möge es auf dessen Wohl vertrinken.

Darf man beim Trinkgeld eigentlich sparen? Ich würde es zwar nicht als Sparen bezeichnen, aber es kommt schon mal vor, dass die Worte "Stimmt so!" nicht fallen und ich kommentarlos auf mein Wechselgeld warte. Weshalb sollte sich jemand überhaupt noch bemühen, guten Service zu erbringen, wenn es dennoch Kleingeld hagelt? War derselbige unter aller Kritik, dann ist es durchaus angebracht, keines zu geben oder es zumindest zu reduzieren. Hierzulande hat sich das Geben von Trinkgeld jedenfalls recht gut eingebürgert. Oft kann der Service und die Qualität einer Leistung noch so mies gewesen sein, es gehört schlicht zum guten Ton. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich bin da skrupellos und wenn's absolut nicht passt, dann gibt's eben keinen Cent extra. Trinkgeld ist meiner Meinung nach kein Gewohnheitsrecht sondern ein Zeichnen von Wertschätzung!

Wie viel Trinkgeld soll man hierzulande geben? Ich schätze, die wenigsten Einheimischen werden den Taschenrechner zücken, um konkrete Berechnungen anzustellen, sondern einfach nach Gefühl einen Betrag aufrunden, ohne groß darüber nachzudenken, in welcher prozentuellen Relation dieser zu der Rechnungssumme steht. Wer jetzt eine Spur mehr Gewissheit möchte, dem darf ich verraten, dass man grundsätzlich in Österreich, aber genauso in Deutschland, mit 5-10% Trinkgeld fast überall richtig liegt, wobei es im Endeffekt immer noch einem selbst überlassen bleibt, ob man eher knausrig oder großzügig ist.

Und wie viel Trinkgeld ist dann im Ausland angebracht? Wie heißt es doch so schön? Andere Länder, andere Sitten. Dies trifft zweifelsohne auch auf die Gepflogenheit Trinkgeld zu geben zu. Vielerorts wird Trinkgeld auf freiwilliger Basis vergeben, dann wiederum ist automatisch eine Servicepauschale im Rechnungsbetrag inkludiert und manchmal, wie im ostasiatischen Raum, ist solches sogar gänzlich unüblich, wenn nicht sogar beleidigend. Vor einer Reise ist es daher empfehlenswert, sich schlau zu machen, wann wofür wie viel Trinkgeld erwartet wird, um in keine potentiellen Fettnäpfchen zu treten.

Gibst du grundsätzlich Trinkgeld oder nur dann, wenn alles zu deiner Zufriedenheit war? Aus welchen Gründen würdest du kein Trinkgeld geben?

Kommentare:

  1. Ich runde meist auf. Wenn der Service oder das essen echt schlecht war gibt's nichts auch wenn ich mir komisch vorkomme. Aber ich will das nicht unterstützen.

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    1. Nachdem bei uns das Trinkgeldgeben so automatisiert ist, muss man erst lernen sich das wieder abzugewöhnen. Mir war's am Anfang auch irgendwie unangenehm, aber wenn der Service einfach schlecht ist, dann gibt's eben kein geldtechnisches Zuckerl.

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