Dienstag, 16. August 2016

{Shopping} (Un)faire Mode oder warum es unfair ist fair kaufen zu müssen

Wer ist für fair hergestellte Kleidung? Jeder. Wer will den entsprechend höheren Preis dafür zahlen? Keiner. Nun gut, dies ist jetzt etwas überzeichnet dargestellt, aber prinzipiell sind wir doch alle für faire und umweltbewusste Arbeitsstandards, bei der die gesamte Produktion sozial und ökologisch nachhaltig ist. Wenn es dann darum geht, unsere Börse dafür ein wenig weiter zu öffnen, kommt doch so mancher ins Wanken. Ist man in der Stadt unterwegs und sticht einem dabei ein Kleidungsstück im Schaufenster eines Geschäfts ins Auge, sind die Bedingungen, unter denen es gefertigt wurde, nicht unbedingt das Erste, worüber man sich Gedanken macht. Üblicherweise fokussiert man zunächst auf das Preisschild, bevor man sich (vielleicht!) die Frage stellt, wie fair das Unternehmen hinter dem Modelabel wohl produzieren mag.

Zwischen Denken und Tun liegen manchmal Welten und Verdrängung ist schon eine feine Sache. Natürlich gibt es genug Personen, denen faire Mode ein Anliegen ist, während auf der anderen Seite einigen ziemlich egal ist, wo und wie etwas produziert wurde, solange nur der Preis stimmt. Soll man deshalb den einen loben und den anderen für die eigene Einstellung geringschätzen? Dies sei jedem selbst überlassen. Mir geht es hier nicht darum, das Faire auf ein Podest zu stellen. In einer idealen Welt würden wir doch alle fair kaufen, nicht wahr? Faire Löhne, fairer Endpreis. Wenn es doch nur so einfach wäre. Genauso wie eine Unzahl an ArbeiterInnen zu Hungerlöhnen schuften muss, gibt es auch in jenen Ländern, wo deren Kleidungsstücke verkauft werden, Menschen, die es sich einfach nicht leisten können, fair zu kaufen. Und das ist ebenfalls alles andere als fair!

Cécile Geng via FreeImages

Nehmen wir einmal an, ein/e Student, Mindestpensionist/in oder Arbeitslose/r möchte für den Rest der Woche Essen auf dem Tisch haben, benötigt jedoch dringend neue Unterhosen*, weil die alten alle schon mehr Löcher als Schweizer Käse haben. Die Frage, ob ein knurrender Magen dieses Duell gewinnen wird, ist rein rhetorischer Natur. Hat man also die Wahl zwischen einem fair produzierten Bio-Baumwollslip um € 29,90 oder einen 5-er Pack Baumwollslips eines Billiganbieters um € 5,00 wird in einer solchen Situation bei den wenigsten das faire Höschen gewinnen. Der Not und dem Hunger gehorchend, setzt man sich im Normalfall selbst an die erste Stelle, auch wenn es einem vom moralischen Standpunkt widerstreben mag. Aber was tun viele, wenn sie Leute mit Sackerl aus einem Billigladen kommen sehen? Innerlich schimpfen und vernichtende Blicke werfen, denn urteilen ohne alle Fakten zu kennen, ist einfach.
*Weshalb gerade Unterwäsche als Beispiel, wird sich so mancher jetzt fragen. Nun, es gibt vielerlei Kleidung, die man günstig Secondhand kaufen kann, aber beim "Darunter" wird meiner Ansicht nach eine Grenze, die man getrost mit Igitt! bezeichnen darf, definitiv überschritten. 

Einige werden jetzt argumentieren, dass Personen, die es sich aus finanziellen Gründen gar nicht leisten können teurer bzw fair zu kaufen, in der Minderzahl sind. Ehrlich gesagt wäre ich mir da nicht so sicher! Es gibt vermutlich genauso viele Menschen, die einfach gerne dem Kaufrausch frönen und dabei möglichst billig möglichst viele Klamotten shoppen wollen, wie Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes jeden Euro umdrehen, bevor sie sich erlauben sich etwas (günstiges!) zu leisten. Wenn man diese Szenarien mit einem Wort zusammenfassen möchte, kann man durchaus ersteres als dumm und zweiteres als unfair bezeichnen. Fairness hat mehr als nur eine Seite und es gibt eben gute Gründe, warum fair zu kaufen als unfair gesehen werden kann und soll. Tatsache ist, es gilt hier wie da vieles zu tun, um soziale Bedingungen so zu ändern, dass ein faires kaufen für alle Beteiligten zu etwas Selbstverständlichem wird. Das ist jedenfalls meine optimistische Zukunftsvision!

Leseempfehlungen

Wie viel Bedeutung schenkst du fairer Mode? Findest du es auch unfair über Personen zu urteilen, die es sich einfach nicht leisten können, fair zu kaufen?

1 Kommentar:

  1. Ich kaufe nur faire Mode, allerdings kaufe ich auch nicht viele Klamotten.

    AntwortenLöschen