Donnerstag, 29. September 2016

{Lifestyle} Das Zero Waste Phänomen oder alles hat ein Ende nur Müll hat zwei

Man stelle sich vor, es steht ein Müllcontainer vorm Haus und keiner wirft was rein. Einsam steht er da mit offenem Deckel und harrt der Dinge, die da nicht kommen. Welch schöne neue Welt, so völlig ohne Müll. Zero Waste - zwei Worte, die in der jüngeren Vergangenheit in aller Munde sind und vielerorts ein Umdenken in Sachen Abfallvermeidung und Umweltbewusstsein eingeleitet haben. Und das ist gut so, denn wir haben dem Planeten ohnehin schon genug zugemutet, da muss man nicht noch ein Schäuferl nicht-kompostierbaren Müll nachlegen.

Wäre da nicht diese eine kleine Sache, ein winziges Detail nur, sozusagen der Schatten hinter dem Müllcontainer. So bequem es ist, sich nicht um den Dreck zu scheren, den man verursacht, so unbequem ist es, das Leben derart umzukrempeln, dass der jährliche Müll, den man produziert in ein kleines Einmachglas passt. Da ist man startklar und stolpert über unzählige Hürden, die die ganze Sache einfach nur mühsam erscheinen lassen. Da nützt es auch nur bedingt, wenn BloggerInnen allerorts euphorische Artikel zum Thema verfassen, denn die Motivation sich dieser Bewegung anzuschließen erfährt spätestens dann einen Dämpfer, wenn man realisiert, wie viel Zeit und Geld man in "Nichts" investieren muss, denn keinen Müll zu produzieren verursacht nämlich durchaus Kosten.

tookapic via Pixabay

Jetzt werden natürlich einige anfangen loszukeppeln, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Umsetzbarkeit nicht nur Kopfsache ist. Möchte ich verpackungsfrei einkaufen, muss ich schon kreativ werden in der Beschaffung von Lebensmitteln. Im Prinzip kann ich natürlich in diversen Supermärkten gelegte Ware ohne Plastiksackerl zur Kasse schleppen, damit diese dort abgewogen wird. Allerdings gibt es genug Geschäfte, da muss man Grünzeug selbst abwiegen und ein Preispickerl auf die Ware kleben, was ja dann schon wieder in die Kategorie Müll fällt. Ich lebe zwar vegetarisch, aber selbst ich will nicht ausschließlich von Obst und Gemüse leben. Möchte ich Dinge wie Nudeln, Essig oder Mehl offen kaufen und in meine selbst mitgebrachten Behältnisse füllen, wird es logistisch schon schwieriger. In Großstädten ist zwar mittlerweile einiges machbar, ansonsten nur durch weite Anreise möglich. Mal abgesehen davon, dass ich mir, in Ermangelung eines Geldscheißers, keinen Liter Essig um € 22 leisten kann oder will. Und wenn man sich neben der Nahrungsaufnahme auch noch pflegen will, hat man ohnehin schon verloren. Unterm Strich sind also drei Dinge von Nöten - Zeit, Geld und Kochtalent*.
*Letzteres bezieht sich nicht nur aufs Futter sondern auch aufs Anrühren von Gesichtscreme und Waschmittel. 

Refuse, reduce, reuse, repair, recycle, rot

Schaut man dann mal genauer hin, bemerkt man plötzlich, dass es gar nicht wirklich gegen die Nulllinie geht und das Zero eigentlich großteils Show ist. Weil auf Null kommt man nur, wenn man als Selbstversorger in der Einschichte von dem lebt, was man selbst anbaut, erntet und produziert. Braucht man dann mal ein Aspirin, haut es einem gleich die ganze Statistik zusammen. Eigentlich sollte es ja Little Waste heißen, nur ist das halt nicht ganz so eingängig, obwohl es die Sache ziemlich genau trifft. Schließlich sind ja Materialen, die man recyclen kann, durchaus erlaubt, solange man sie nicht aus Faulheit in den Restmüll steckt, und Pfandflaschen gehören ohnehin zu den Guten. Also bloß nicht verzagen! Vermeide unnötige Verpackungen, recycle so viel möglich und mach den Komposthaufen oder die Biotonne zu deinem Freund. Es geht vieles, wenn man sich ein wenig damit auseinandersetzt und nicht von dem Zero einschüchtern lässt. Und wer weiß, die nächste Generation schafft es vielleicht schon, dass mein Little Waste sich umweltfreundlich in "Nichts" auflöst.

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Hältst du Zero Waste für absolut machbar oder eine unerreichbare Utopie? Auf welche Art(en) versuchst du Müll zu vermeiden?

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