Dienstag, 6. September 2016

{Shopping} Blogger Fashion oder wie Marken den (Verkaufs)wert bestimmen

Irgendwann beschließt frau schweren Herzens und unter Protest den Kleiderschrank auszumisten. Am Ende ist man, zumindest wenn alles mit rechten Dingen und ohne Schummeleien abläuft, mit ein bis fünf Stapeln Klamotten konfrontiert, die aus welchen Gründen auch immer bei der Prüfung "durchgefallen" sind. Dabei ist es dann egal, ob sie nicht mehr passen, man sie nie getragen hat oder sie einfach schon verschlissen sind, ihre Zukunft liegt, im Gegensatz zu den restlichen Kleidungsstücke, die im Kollektiv aufatmen durften, weil sie noch ein Weilchen länger bleiben können, ab nun woanders.

Der Punkt ist, es trifft jede von uns irgendwann, egal ob Normalsterbliche oder ModebloggerInnen. Altes muss raus, entweder um Platz für Neues zu schaffen oder um einfach nur die Reihen zu lichten. Es zeichnen sich ebenfalls Parallelen ab, wie man mit den ungewollten Kleiderstapeln verfährt. Kaputtes kommt in die Tonne und für jene Sachen, die noch ein wenig (oder viel) Leben in sich haben, werden neue Besitzerinnen gesucht. Ab damit auf diverse Verkaufsseiten oder Flohmärkte lautet in Folge die Devise. Hier liegen allerdings BloggerInnen ein kleines Bisschen im Vorteil, erschließt sich ihnen doch eine zusätzliche Möglichkeit.

capitolstandard via Pixabay

Die ersten Male sind mir solche Blogger-Flohmärkte auf diversen englischsprachigen Lifestyle- und Fashionblogs aufgefallen. Mein erster Gedanke war, dass das ja nun wirklich eine tolle Idee ist - die Mädls haben schließlich eine etablierte Plattform, wo genau jene Leserinnen aka potentiellen Käuferinnen regelmäßig reinschauen, die sich für ihren Style interessieren und begeistern. Auf den zweiten Blick fielen mir jedoch die Preise auf, welche teils erstaunliche Höhen erreichten. Wohlgemerkt nicht nur für Designerzeugs sondern auch für Teile, die in die Kategorie "high street fashion" wie es im Englischen so schön heißt, fielen. Während ich bei hochpreisen Marken offen gestanden wenig bis gar keine Ahnung von Originalpreisen habe, war mir bei Sachen von H&M oder Zara schnell klar, dass da jemand sehr optimistisch mit Preisschildern um sich schmiss. Als ich dann beobachtete, dass die Kleidung wegging wie die warmen Semmeln, konnte ich verständlicherweise nur staunen. Offensichtlich zahlt man nicht nur bei Top-Designern den Markennamen mit, denn die Marke "BloggerIn" ist ebenso recht einträglich.

Mittlerweile habe ich den Trend zu Flohmärkten auf dem eigenen Blog ebenfalls im deutschsprachigen Raum mehrfach beobachtet und siehe da, die Preisgestaltung bewegt sich auch hierzulande in teilweise schwindelnden Höhen. Mir stellt sich jedesmal aufs Neue die Frage, wer kauft zB ein getragenes Kleid von Primark zu einem Preis, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit höher oder zumindest gleich dem Abverkaufspreis gewesen sein muss.* Davon ausgehend, dass die werte Trägerin des zum Verkauf stehenden Teils über dessen Ursprungspreis Bescheid wissen wird, kann ich unmöglich die Einzige sein, die verwundert die Augenbrauen hochzieht. Vielleicht liegt ja der eigentliche Wert darin, dass ein Teil todschick kombiniert in einem Blogpost präsentiert und vor allem von einer Person, die man bewundert, getragen wurde? Anders kann ich es mir sonst nicht erklären.
*Nicht so, als hätte ich jetzt super genau recherchiert, aber wenn man einen Laden kennt, kann man die Preise (und deren Gefälle, wenn diese reduziert werden) durchaus abschätzen.

Es liegt mir fern, sämtliche ModebloggerInnen, die solche Verkäufe veranstalten zu verunglimpfen, schließlich fallen einem ja gerade die Negativbeispiele am Ehesten auf. Ist es eine gute Geschäftsidee? Zweifellos, immerhin finden sich scheinbar recht flott Käuferinnen. So gesehen macht es schon Sinn, mit der Marke "BloggerIn" entsprechend abzukassieren. Immerhin will ja die naturgegebene Notwendigkeit, sich für den Webauftritt stets in neuen Textilien zu zeigen, irgendwie finanziert werden. Allerdings halte ich die Verfahrensweise bis zu einem gewissen Grad für respektlos. Nur weil viele willig kaufen, macht es das noch lange nicht ok. Und würden jene BloggerInnen versuchen, ihren Kleiderschrank auf normalen Verkaufsseiten ohne Rückenstärkung des eigene Blogs feilzubieten, sähe der Verkaufserfolg aller Wahrscheinlichkeit weniger berauschend aus. 

Hast du schon ähnliche Beobachtungen auf Modeblogs machen können? Findest du, dass ein Kleidungsstück einen gewissen Mehrwert hatte, wenn es von einer beliebten BloggerIn stammt?

Kommentare:

  1. Hallo!
    Mir ist das auch schon ein paar Mal aufgefallen und denk mir immer, wenn ich die Teile zu den Preisen als Nicht-Blogger auf willhaben, kleiderkreisel oder ähnliches stellen würde, würde das kein Mensch kaufen. Ich finds auch etwas frech, ehrlich gesagt, da viele BloggerInnen ohnehin oft haufenweise Kleidung geschenkt bekommen...
    Na ja, muss ihnen ja nichts abkaufen ;)
    Danke für den Beitrag!

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    1. Da gebe ich dir recht - wer kauft, ist selber schuld! ;-)

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  2. Gleiches gilt übrigens auch für Kosmetik :D da schüttel ich manchmal den Kopf vorallem wenn ich das Produkt auch zugeschickt bekommen habe (und mich übrigens riesig gefreut habe) und es dann fast zu originalpreis verkauft wird. Klar versuche ich etwas was ich gar nicht mag oder vertrage auch loszuwerden allerdings nicht in den Mengen :D

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    1. Jetzt, wo du's erwähnst ... die Beobachtung habe ich auch schon gemacht. Bei Mode kann ich ja noch ansatzweise verstehen, warum sich KäuferInnen finden (weil man dann ein Outfit mit einer LieblingsbloggerIn "teilt"), aber bei Kosmetik sehe ich echt keinen Mehrwert.

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