Dienstag, 11. Oktober 2016

Verkaufen auf willhaben & Co - Teil 3: Alles hat (s)einen Preis


Willkommen zu Teil 3 der Serie Verkaufen auf willhaben & Co, in dem es diesmal um das liebe Geld geht. Die Preisgestaltung ist wahrlich eine eigene Kunst und den idealen Preis für einen Artikel festzulegen, will wohl durchdacht sein. 

Zwischen dem, was man gerne haben möchte und dem, was ein Käufer zu zahlen bereit ist, können Welten liegen. So manch einer lebt in einer Traumwelt, in der man den gleichen Betrag, den man selbst einst für etwas bezahlt hat, erhält. Wer sich an diese Vorstellung klammert, wird wenig bis gar nichts verkaufen, so einfach ist das. Grundsätzlich darf man getrost davon ausgehen, dass das Zeug, das man voll Vorfreude ob des bevorstehenden Geldregens, entrümpelt hat, mittlerweile nicht einmal ansatzweise das wert ist, was man selbst dafür berappt hat. Da nützt es auch nichts, wenn etwas nagelneu ist und noch das Etikett dran hängt. Im Grunde ist es so wie mit dem Kauf eines Neuwagens - kaum hat man die Schlüssel dazu in der Hand, hat das Vehikel schon mal einen gesunden Prozentanteil seines Wertes eingebüßt. Fährt man eine Runde um den Block, sinkt dieser Wert gleich noch mal um ein großzügiges Stück. Bis man den Wagen zuhause in der Garage abgestellt hat, könnte man sich mit dem verbleibenden Wert maximal ein Dreirad kaufen. 

Im Grunde gibt es zwei Varianten einen Preis festzusetzen. Erstens gibt man einfach das an, was man gerne hätte. Zweitens investiert man ein bisschen Zeit in Recherche. Zielführend ist zumeist* letzteres, da es am ehesten zu einem Verkaufserfolg führt. Wie genau recherchiert man denn nun den optimalen Preis? Um dies zu beantworten, muss man sich einige Fragen stellen.
*Ausnahmen bestätigen doch ab und zu die Regel.

  • Wie viel hat der Artikel ursprünglich gekostet und was kostet er derzeit im Handel? Ich habe schon Inserate gesehen, in denen der Preis höher angesetzt war, als was man aktuell im Geschäft zahlen würde. Wer da zugreifen soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätseln. Der Preis sollte, bis auf wenige Ausnahmen (siehe weiter unten), immer unter dem Normalpreis liegen.
  • Wie viel habe ich selbst ursprünglich dafür bezahlt? Hat man etwas im Abverkauf ergattert, tut es nicht ganz so weh, wenn man etwas zB um ein Viertel des Originalpreises anbietet. Mit ein wenig Glück kann man sogar ohne Verlust oder gar leichtem Gewinn aussteigen, gesetzt dem Fall man hat selbst ursprünglich ein wahres Schnäppchen gemacht.
  • Was würdest du selbst dafür bezahlen? Hier bitte wirklich ehrlich zu sich selbst sein! Wer auf Anzeigenportalen einkauft, möchte schließlich Geld sparen, sonst könnte man ja gleich auf die nächste Sale-Aktion im regulären Handel warten.
  • Wird der selbe oder ein gleichwertiger Artikel bereits auf willhaben* angeboten und wenn ja, zu welchem Preis? Der Trick ist, minimal unter dem Preis anderer zu liegen oder zumindest gleichauf mit dem derzeitig günstigsten Angebot. Klar kann man mehr verlangen, aber der kluge Käufer wird zuerst andere aka billigere Anbieter kontaktieren.
    *Zusätzlich kann man als Fleißaufgabe ebenfalls andere Verkaufsplattformen durchforsten um Vergleiche zu ziehen.
  • Handelt es sich um einen im Handel vergriffenen oder seltenen Sammlerartikel? Dies ist die einzige realistische Möglichkeit mehr Geld für etwas zu erhalten, als man selbst einst investiert hat. Deshalb immer schlau machen, was etwas wert ist und nicht unter Wert anbieten!
  • Wann ist der Artikel auf den Markt gekommen? Handelt es sich zwar um einen unbenutzten aber schon vor fünf Jahren erschienen oder um einen einmal verwendeten, dafür erst vor einem Monat in den Handel gekommenen Artikel? Umso "jünger", desto mehr lässt sich geldtechnisch rausschlagen, da macht es oft auch keinen Unterschied, wenn kein Etikett mehr dranhängt.
  • In welchem Zustand befindet sich der Artikel, dh ist er neu oder gebraucht? Umso neuer, desto teurer kann und sollte man inserieren. Natürlich kaufen viele gerne gebraucht, aber vor die Wahl gestellt, gewinnt am Ende doch die neue Ware und entsprechend sind Käufer durchaus gewillt mehr für diese hinzulegen.
  • Wo ist mein Standort? Hier ist man durchaus im Vorteil, wenn man in einer Großstadt oder deren Einzugsbereich lebt, denn umso zentraler man wohnt desto mehr potentielle Interessenten, die sich bei Abholung Versandkosten sparen können.
  • Wie rasch möchte ich etwas verkaufen? Hier gilt, will man möglichst schnell Bares sehen, muss der Preis entsprechend niedrig sein.

Handeln oder nicht handeln, das ist hier die Frage!

Während auf eBay Artikel ersteigert, zu einem festgesetzten Preis oder gegen einen Preisvorschlag verkauft werden können, wird auf willhaben ausschließlich mit Fixpreis inseriert. Im Inserat zur Abgabe eines Gebots oder Preisvorschlags aufzufordern ist hier übrigens nicht gestattet, was allerdings so manchen Verkäufer nicht davon abhält dies doch zu tun. Darüber hinaus nehmen viele Käufer den angeführten Preis maximal als groben Anhaltspunkt dafür, um wie viel sie diesen runterhandeln können.

Ich rate dazu immer jenen Preis anzugeben, den man, selbstverständlich nach ein wenig Recherche (siehe oben), erhalten möchte. Ob man ein kleines Verhandlungspolster einbaut, sei dabei jedem selbst überlassen, es sollte nur nicht im Inserat erwähnt werden, dass der Preis verhandelbar ist. Oft geht es ohnehin zu wie auf einem Basar und Interessenten bombardieren einen mit Fragen nach dem "letzten Preis" oder machen Vorschläge, wie viel sie bereit sind zu zahlen. Ob man im Endeffekt "mit sich reden lässt" und den Preis reduziert, muss man sich von Fall zu Fall überlegen. Für mich macht hierbei der Ton die Musik, wie es so schön heißt. Unverschämte Preisdrücker haben bei mir keine Chance, aber wenn jemand mehrere Artikel kaufen möchte und nett fragt, ob ich denn die Versandkosten übernehme, stimme ich meistens zu.

Am 13.10. folgt Teil 4 dieser Serie, also schaut auf jeden Fall vorbei!

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