Dienstag, 18. Oktober 2016

Verkaufen auf willhaben & Co - Teil 5: Falsche Fuffziger und virtuelle Rundablagen


Willkommen zu Teil 5 der Serie Verkaufen auf willhaben & Co, in dem es um einen Blick hinter die Inseratskulisse auf willhaben geht. All jene, die eher an den allgemeinen Informationen zum Online-Verkauf interessiert sind, können jetzt die ersten Punkte überspringen und sich am Ende des Artikels zum Thema Betrug und Markenverletzung schlau machen.

Das Inserat

Inserate können nicht nur geschaltet werden, sondern man kann diese ebenfalls ändern, bearbeiten, inaktiv setzen oder löschen. So kann man Preise anpassen, Tippfehler ausbessern, im Urlaub "pausieren" oder nach (hoffentlich!) erfolgreichem Verkauf das Inserat aus der Liste entfernen. Klingt alles wunderbar einfach und ist es vielfach auch, aber ein paar kleine Macken hat das System trotzdem.

Warteschlange

Wer schon öfter auf willhaben inseriert hat, kennt sie sicherlich und hat wegen ihr schon mehrfach gegrummelt oder die Augen verdreht. Bereits bei Aufgabe des Inserats wird man darauf hingewiesen, dass es bis zu 24 Stunden dauern kann, bevor es freigeschalten wird. Im Großteil der Fälle geschieht dies innerhalb von Sekunden, aber manchmal dauert es Stunden und entsprechen wird dann der Status "in Warteschlange" angezeigt. Angeblich wird stichprobenartig kontrolliert, ob man bloß nichts anbietet, was gegen die Anzeigerichtlinien verstößt. Dies ist an sich begrüßenswert, allerdings zweifle ich an der Zufälligkeit dieses Vorgangs. Immerhin geraten bei mir stets die selben Inserate in die Warteschlange, selbst wenn ich nur einen Beistrichfehler korrigiere. Für mich ist dies ein deutliches Indiz dafür ist, dass immer ein bestimmtes Wort diese Überprüfung auslöst. Zufällige Kontrolle? Wohl eher nicht. Nervig? Absolut.
Gut zu wissen: Wenn ein Inserat aufgrund der Warteschlange mehrere Stunden lang (noch) nicht aktiv war, verschwindet es dadurch nicht hinter neueren Inseraten, sondern wird nach der Freischaltung vorne "eingeschoben".

Laufzeit

Man hat also ein bis drei Dutzend Inserate geschaltet, mit Glück sind alle bereits aktiv und man wartet gespannt auf das Eintreffen der ersten Anfragen. Insgesamt beträgt die Laufzeit von Inseraten 45 Tage also knapp über 6 Wochen. Meiner Erfahrung nach sind dabei die ersten beiden Wochen die aktivsten, gefolgt von etwas ruhigeren Zeiten, in denen eher tröpfchenweise oder gar keine Anfragen einlangen, bis gegen Ende der Laufzeit oft noch ein kurzes Aufflackern zu merken ist, wenn Personen sozusagen am letzten Drücker zugreifen.

Gewiefte Personen werden sich jetzt denken, warum das Inserat so lange laufen lassen? Da kann ich es doch einfach alle zwei Wochen einfach neu einstellen. Theoretisch? Ja. Sinnvoll? Jein.

Wenig überraschend macht es einem willhaben da nicht so einfach, schließlich soll durch bezahlte wöchentliche Vorreihung von Inseraten Geld in die Kasse kommen. Erstellt man also zB nach einer Woche das selbe Inserat noch einmal, wird dieses gelöscht, da das System dies automatisch erkennt.. Umgehen kann man das höchstens, indem man Titel und Text umformuliert und aufs Beste hofft, dass es dennoch freigegeben wird. Die Frage ist, ob es etwas bringt, etwas nach einer Woche Laufzeit zu löschen und neu einzustellen. Der Vorteil ist, der Artikel scheint bei den aktuellsten Inseraten auf. Der Nachteil ist, wenn sich jemand bereits dafür interessiert, aber einfach noch keine Anfrage geschickt hat, verschwindet es von dessen Merkliste. Ob ein potentieller Käufer einem Artikel hinterherläuft, wage ich in den meisten Fällen zu bezweifeln. Mit anderen Worten, Geduld ist auch bei Online-Verkäufen eine Tugend.

Merkliste

Dies bringt mich übergangslos zu einer von nicht wenigen Käufern genutzten Möglichkeit, nämlich die Merkliste. Selbige gab es schon lange und in diesem Jahr wurde endlich deren Sichtbarkeit für Verkäufer umgesetzt. Bislang konnte man zwar sehen, wie oft ein Inserat aufgerufen wurde, wobei hier für aus mich unerfindlichen Gründen eigene Zugriffe, wenn man zB etwas am Text ändert, mitgezählt werden, was die Zahlen etwas verfälscht. Nunmehr sieht man ebenso, wie viele Personen sich etwas auf die Merkliste gesetzt haben. So weit, so erfreulich. Natürlich lässt sich dies nicht übersetzen in rasche Verkäufe, da manche einfach nur Artikel auf diese Art vergleichen bzw über einen Zeitraum hinweg beobachten. Hilfreich für Verkäufer ist dies aber allemal, denn so erkennt man, wofür sich Leute interessieren und kann als kleinen Anreiz den Preis senken, wenn ein Inserat kurz vorm Ablaufen steht. Bei mir hat dieser Vorgang bis dato zwar erst einmal geklappt, aber das ist ja immerhin schon etwas.

Richtlinien

Idealerweise liest sich jeder Verkäufer in spe die sogenannten Anzeigerichtlinien nicht nur durch sondern hält sich auch an diese. Nur wie viele lesen schon das Kleingedruckte? Hierbei geht es nicht nur darum, dass man zB nur eigene Fotos verwenden darf oder wie oben erwähnt Inserate nicht doppelt schaltet. Hier wird ebenso aufgelistet, welche Dinge man nicht zum Kauf anbieten darf.

Kein System ist perfekt, daher stolpert man immer wieder über Inserate, die gegen die Richtlinien verstoßen. Es gibt die Option bei jedem Inserat, dieses bei Verstößen zu melden, allerdings ist mein Vertrauen in die Wirksamkeit dieses Prozederes eher getrübt. Die wenigen Male, als ich etwas gemeldet habe, weil zB eine Tasche, welche für mich ganz offensichtlich ein Plagiat war, oder ein Artikel der vom selben Verkäufer mehrfach jedoch stets mit anderem Standort inseriert wurde, was zumindest mir suspekt war, hat sich genau gar nichts getan. Die Inserate liefen fröhlich weiter und meine Meldungen landeten offenbar in einer Art virtuellen Rundablage. Da überlegt man es sich natürlich zwei Mal, ob man sich überhaupt die Mühe machen soll, etwas zu melden.

Zusatzprodukte

Während es an sich vollkommen kostenfrei ist, Inserate auf willhaben einzustellen, gibt es ebenfalls die Möglichkeit diese durch diverse Zusatzprodukte hervorzuheben. So kann man unter anderem Inserate wöchentlich vorreihen oder als sogenannte TOP Anzeige auf der Startseite anzeigen lassen. All diese Optionen sind kostenpflichtig und sollen einem rascheren Verkaufserfolg dienen. Ob dies tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen, da ich nie ein solches Zusatzprodukt genutzt habe. Unterm Strich muss jeder selbst entscheiden, ob es den finanziellen Aufwand lohnt. Dieser ist sicherlich nur dann überlegenswert, wenn der Wert eines Artikels entsprechend hoch ist und sich dadurch die Zusatzkosten amortisieren. Eine Garantie, dass man in Folge schnell(er) oder überhaupt verkaufen wird, ist damit jedoch keineswegs gegeben. Mit anderen Worten, unter Umständen ist dann außer Spesen nichts gewesen.

Betrug

Manchmal bekommt man Anfragen, die bereits auf den ersten Blick wenig vertrauenerweckend sind. Handelt es sich um eine entweder in Englisch oder in schlechtem Deutsch formulierte Anfrage, die so wirkt, als habe man den Text von Google übersetzen lassen und weist die IP-Adresse des Absenders auf ein außereuropäisches Land hin, ist oberste Vorsicht geboten.
Gut zu wissen: Bei über willhaben gesendeten Anfragen scheint im unteren Teil der E-Mail die IP-Adresse des Senders auf. Mit dieser kann man zB über utrace den Standort des Absenders eruieren.

In all den Jahren, die ich willhaben bereits nutze, habe ich gerade mal drei solcher dubioser Anfragen erhalten. Die unterhaltsamste war zweifellos jene einer Frau aus Israel, deren Tochter angeblich in Wien studiert hat und der sie zu einem Anlass etwas typisch Österreichisches schenken wollte. In dem fraglichen Inserat habe ich ein Set englischer Star Trek Bücher angeboten. Wäre dies noch nicht Hinweis genug gewesen, dass hier etwas nicht ganz koscher ist, hätte spätestens das Angebot mir einen großzügigen Scheck zu senden und der kleinen Bitte doch nach Abzug des Preises samt Versandkosten den Restbetrag zurückzuüberweisen, alle Alarmglocken schrillen lassen. Unterm Strich ist es wohl Glück, dass es den meisten Betrügern am nötigen Feinschliff ihrer Taktik fehlt.

Grundsätzlich steckt natürlich nicht hinter jeder aus dem Ausland stammenden Anfrage eine betrügerische Absicht. Ab und zu habe ich schon nach Deutschland verkauft und dies ging immer absolut problemlos von Statten. Außerdem kann es einem bei einem Verkauf innerhalb Österreichs genauso passieren, dass man sozusagen "einfährt", wenn man sich zB weichklopfen lässt und Ware vor Bezahlung versendet und dann nie das Geld dafür erhält. Auf der anderen Seite sind auch Käufer nicht davor gefeit, einem Betrüger aufzusitzen, und sollten entsprechend Vorsicht walten lassen.*
*Mehr zum Thema Käufer folgt in Teil 6 der Serie.

Markenverletzungen

Es ist eine jener juristischen Tatsachen in unserem Land, die mich seit langem verwundert. Man kann ungestraft nachgemachte Designerprodukte für den privaten Bedarf aus dem Urlaub mitbringen oder sogar hier kaufen. Bietet man hingegen solche zum Kauf an, macht man sich damit strafbar. Meiner Meinung nach sollten in solch einem Fall beide Parteien belangt werden, aber nun gut. Der Punkt ist, dass sich auf willhaben zwischen echten Luxusmarken genug Plagiate tummeln. Da manche Fälschungen gar nicht so einfach vom Original zu unterschieden werden können, wird man beim Kauf leider nicht immer vor Reinfällen bewahrt.

Während Käufer zwar ungeschoren davonkommen, muss sich jeder Verkäufer bewusst sein, dass das Anbieten gefälschter Waren unter Strafe steht. Ob wissentlich oder unwissentlich spielt dabei keine Rolle und anwaltliche Abmahnung sind zwei Worte, die einem definitiv den Tag versauen können. Wer sich also im Urlaub eine Guccci Tasche oder ähnliches gekauft hat und sie nach drei Mal tragen weiterverhöckern will, sollte dies tunlichst unterlassen. Klar kann es gutgehen, riskieren würde ich es aber nicht!

Am 20.10. folgt der 6. Teil der Serie und ich freue mich, wenn ihr wieder dabei seid!

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