Donnerstag, 20. Oktober 2016

Verkaufen auf willhaben & Co - Teil 6: Der Käufer, das unbekannte Wesen


Willkommen zu Teil 6 der Serie Verkaufen auf willhaben & Co, in der heute der Käufer im Mittelpunkt steht, denn schließlich steht und fällt der Erfolg eines jeden Verkäufers durch dessen Kauflaune.

Käufer oder solche, die es noch werden wollen*, können sich in erstaunlicher Weise auf die eigene Gemütsverfassung auswirken. Mal zaubern sie einem ein Lächeln ins Gesicht, dann wiederum bringen sie einen gefrustet dazu, die Entscheidung altes Zeug online zu verkaufen, zu überdenken. Wer schon einmal gescherzt hat, dass es im Büro zugeht wie im Zoo, dem darf ich versichern, dass es sich auf Verkaufsplattformen nicht viel anders verhält.
*Anders formuliert: Interessenten oder potentielle Käufer

Daher ein offener Brief oder besser gesagt Blogpost an all jene, die gerne auf willhaben oder anderen Anzeigeportalen stöbern. Wir, die Verkäufer, wissen es zu schätzen, wenn ihr euch folgende Punkte zu Herzen nehmt.

  • Verzichtet auf 2-Wort-Anfragen
    Natürlich gibt es sie, jene Personen, die höfliche Anfragen in vollständigen Sätzen (!) versenden. Allerdings gibt es auch genug im Stil von "noch da?" oder "letzte Preis?", die bei mir das kalte Grauen auslösen. Meistens tauchen letztere schubweise in meinem E-Mail Eingang auf und irgendwann habe ich für mich beschlossen, auf solche Anfragen gar nicht mehr zu reagieren. Richtig gelesen - ich weiche einem potentiellen Verkauf aus! Das Potential ist jedoch verschwindend gering und spiegelt durchaus die fehlende Ernsthaftigkeit dahinter wider. Die Erfahrung hat mich nämlich gelehrt, dass solche Anfragen praktisch nie dazu führen, dass Ware den Besitzer wechselt.
  • Zeigt Manieren
    Wenn manche Dinge nicht nach dem Kopf des Interessenten gehen, kann es selten aber doch unschön werden. Einmal wurde ich derart wüst beschimpft, weil ich für einen Artikel nur Selbstabholung angeboten habe, dass mir echt die Spucke weggeblieben ist. Auf diese Art und Weise setzt man garantiert nicht den eigenen Willen durch und riskiert eventuell sogar, dass man bei willhaben gemeldet wird.
  • Handeln ist ok
    Klar lassen (manche) Verkäufer mit sich reden, aber immer daran denken, dass der Ton die Musik macht. Einen unverschämten Preisvorschlag zu schicken, in dem steht, dass man etwas zum halben Preis, selbstverständlich inklusive Versand, nehmen würde, bringt höchstens den Zeigefinger über der Löschen-Taste zum Zucken. Ein bisschen Feilschen ist zumindest für mich absolut in Ordnung, aber dies sollte bitte schön realistisch sein. Kauft jemand mehrere Sachen und fragt, ob ich die Versandkosten übernehme, stimme ich in den meisten Fällen zu.
  • Zuerst lesen, dann fragen
    Es gibt einen Grund, warum so viele aneinandergereihte Worte in der Beschreibung des Inserats stehen. Diese dienen der Information und teilen einem unter anderem Details zu dem jeweiligen Artikel mit. Aus unerfindlichen Gründen gibt es dennoch Personen, die Fragen stellen, welche bereits beantwortet wurden. Das verschwendet nur unser aller Zeit, also zuerst Augen auf und falls dann noch Fragen offen sind, einfach nachfragen.
  • Seid ehrlich
    Scheinbar ist es so manchem unangenehm, etwas im letzten Moment doch nicht abzuholen oder generell zu kaufen. Entweder verschwinden solche Personen vom Erdboden und melden sich auf Nachfrage einfach nicht mehr oder sie erfinden die kuriosesten Ausreden. Eine meiner liebsten Anekdoten ist die jener Frau, die nicht zum vereinbarten Termin erschien und sich in Folge wortreich per E-Mail entschuldigte. Sie wollte sich schon auf den Weg zu mir machen, sei beim Einsteigen ins Auto umgeknickt, musste dann ins Spital, hätte nun einen Gips und sei eben erst nach Hause zurückgekehrt. Die Tatsache, dass sie diese E-Mail knapp 45 Minuten nach dem geplatzten Termin versendet hat, trug nicht unbedingt zur allgemeinen Glaubwürdigkeit bei. Lange Rede, kurzer Sinn - es ist in Ordnung, es sich anders zu überlegen, aber habt so viel Anstand kurz Bescheid zu geben!
  • Erwartet keine Wunder
    Mittlerweile steht in meinen Inseraten dabei, dass ich mich nicht an dritten Orten zwecks Übergabe von Artikeln treffe. Dies hält allerdings nicht alle davon ab, die merkwürdigsten Vorschläge zu machen. Die Standards sind zweifellos, ob denn ein Treffen in Wien oder bei der SCS möglich sei, aber dem Fass den Boden ausgeschlagen hat schließlich die Frage, ob man sich zur Übergabe nicht an einer Autobahnraststätte treffen könne. Echt jetzt? 

Aber es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass ich mit Käufern gerne schimpfe. Wie so oft, sind es gerade die Negativbeispiele, die sich besonders gut ins Gedächtnis einprägen und der überwiegende Teil an Personen, mit denen ich über willhaben Geschäfte abgewickelt habe, ist total nett.

Tipps fürs erfolgreiche Kaufen

Wer sich beim Online-Shoppen bei einer Privatperson unwohl fühlt und Angst hat, dass am Ende das Geld weg und keine Ware da ist, dem kann ich nur eines raten, nämlich Selbstabholung. Der Artikel kann angefasst und eventuell an- oder ausprobiert werden und man kann den Verkauf per Barzahlung abschließen. Lebt ein Verkäufer nicht ums Eck, gibt es vielleicht Verwandte oder Freunde, die in dessen Nähe wohnen und etwas abholen können. 

Ich empfehle hochpreisige Artikeln grundsätzlich abzuholen! Selbst wer kein Problem damit hat, per Vorabüberweisung zu bezahlen, lege ich dies ans Herz. Sicher ist sicher, lautet hier mein Motto, denn man kann leider nie wissen, ob es sich um einen reellen Verkäufer handelt oder jemanden, der einen schlicht abzocken will.

Lasst euch nicht über den Tisch ziehen! Ich habe es selbst schon erlebt, als ich vor längerem drei Bücher um zusammen € 6 über willhaben kaufen wollte. Da bezüglich der Versandkosten keine Information im Inserat stand, habe ich nachgefragt. Die knappe Antwort war € 10 und in der irrigen Annahme, dass es sich um den Gesamtbetrag handeln würde, immerhin kostet ein Hermes S Paket € 3,80 plus ein paar Cent für Verpackung und so. Ich habe den Betrag nochmal bestätigt, woraufhin ich eine weitere E-Mail erhalten habe, in der stand, dass dies die zusätzlichen Versandkosten seien. Muss ich wirklich erwähnen, dass ich auf den Kauf der Bücher dankend verzichtet habe?

Bedankt euch! Natürlich braucht man nicht unbedingt Meldung zu machen, wenn man ein Paket erhalten hat, aber wenn ihr zufrieden seid mit den erstandenen Schätzen, freut sich jeder Verkäufer über ein kurzes "Danke Schön!" per E-Mail. 

Mit den letzten beiden Teilen dieser Serie geht nächste Woche weiter, also schaut unbedingt wieder vorbei!

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