Donnerstag, 17. November 2016

{Lifestyle} Eine kleine Spende oder warum mich Weihnachten in Scrooge verwandelt

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch Spendensammler tingeln wieder von Haus zu Haus. Während ersteres hierzulande dafür bekannt ist, Geschenke unter den Baum zu legen, geht es zweiteren darum den Eltern, die still und heimlich das Christkindl sponsern, ein paar Scheine abzuschwatzen. Das hat natürlich Tradition, das mit dem Sammeln von Spenden, meine ich, weil ans Christkind glaubt eh keiner mehr, seitdem Santa seinen Schlitten auch in Europa über die Häuserdächer jagt. 

Und so fallen sie ab spätestens Anfang Dezember ein und sind dabei genauso penetrant wie die allgegenwärtigen Weihnachtslieder, mit denen man ab diesem Zeitpunkt überall beschallt wird. Dies werde ich heuer zum Anlass nehmen, einen Zettel an die Eingangstür zu kleben, auf welchem in Großbuchstaben steht "WIR SPENDEN NICHTS!" und ein Bild von Ebeneezer Scrooge wird diese Aussage mit einem Hauch Dickensischer Weihnachtsstimmung unterstreichen. Wer nun langsam aber sicher den Eindruck bekommen sollte, dass ich wenig bis gar keine Sympathien für Spendensammler empfinde, täuscht sich keineswegs. Dies hat allerdings nichts damit zu tun, dass ich mich ungern von meinem Geld trenne, um wohltätige Zwecke zu unterstützen, sondern schlicht damit, dass ich mir nicht vorschreiben lasse, wofür ich spenden soll. 

geralt via Pixabay

Es ist völlig egal, um welches förderungswürdige Anliegen es geht - das Projekt, das einem vorgestellt wird, ist selbstverständlich wichtiger als all die anderen und es wäre absolut unverzeihlich dieses nicht zu unterstützen. Wenn Spendensammler eines perfektioniert haben, dann die hohe Kunst. Ohne. Punkt. Und. Komma. Zu. Reden. Man bekommt kein Wort dazwischen und wenn der Redeschwall sich endlich dem Ende zuneigt, ist man bereits erfüllt von Schuldkomplexen, nicht eher für diesen oder jenen Zweck gespendet zu haben. Sensible Naturen neigen hier dazu den eigenen Puls zu prüfen, nur um sich zu vergewissern, dass das eigene Herz noch schlägt. Denn nur herzlose Menschen lassen die Geldbörse geschlossen, wenn Hilfe von Nöten ist. Außerdem, wer will schon mit anschuldigenden Blicken bestraft werden, die einem den Eindruck vermitteln, ohne finanzielle Zuwendung wäre man persönlich für das Aussterben einer Art, das Verhungern eines Volkes oder die Qual eines Zirkuselefanten verantwortlich. Das tut dem Selbstwertgefühl gar nicht gut. Dabei ist es so einfach sich dem Bann solcher um Geld heischenden Monologe zu entziehen - man stelle sich einfach die Frage, würde ich von einer wildfremden Person, die unangekündigt vor meiner Tür steht, einen Staubsauger kaufen? Die korrekte Antwort darauf lautet NEIN.

Die entscheidende Frage lautet, wie gehe ich damit um, wenn jene unliebsamen Zeitgenossen vor der Türe stehen?

  • Schon aus Sicherheitsgründen sollte man die Eingangstür nicht ohne Blick durch den Türspion öffnen. Erspäht man ein Team aus (meist) zwei Leuten mit Klemmbrett und an der Jacke befestigten Ausweisen, kann man davon ausgehen, dass diese auf Spenden aus sind. In diesem Falle, einfach das Klingeln ignorieren!
  • Hat man unbedacht doch die Tür geöffnet, bloß nicht auf Diskussionen einlassen. Die anberaumte Minute, die zur Darlegung des Anliegens benötigt wird, dauert mindestens fünf Minuten. Dies dient dazu einen mürbe zu machen und einem ein schlechtes Gewissen einzureden. Immer daran denken, man braucht sich nicht dafür zu rechtfertigen, dass man nicht spendet!
  • Höflichkeit wird überbewertet, vor allem wenn man drangsaliert wird und das erste deutliche Nein nicht bis zum Großhirn des geldsammelnden Gegenübers durchgedrungen ist. Also einfach ohne weiteren Kommentar wieder die Türe schließen

Bin ich denn wirklich eine weibliche Ausgabe von Scrooge? Mitnichten, denn ich spende durchaus, wenn mir etwas am Herzen liegt und dazu brauchen mich keine Geister der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft heimzusuchen. Ich informiere mich über verschiedenste Projekte und entscheide dann in aller Ruhe, auf welche Art und Weise ich etwas unterstützen werde. Überrumpelt und angesudert zu werden, mag bei so manchem unvorbereitetem Menschen zum Erfolg führen, bei mir jedoch führt es nur dazu, dass mein Nein vom Zuknallen der Tür unterstrichen wird.

Fühlst du dich von Spendensammlern genauso genervt wie ich? Hast du vielleicht schon mal gespendet, obwohl du eigentlich gar nicht wolltest? 

1 Kommentar:

  1. Ja das hat mit Nächstenliebe wenig zu tun. Den Keilern gehts ja selber auch nur darum eine Quote zu erfüllen und wenn die dann so hartnäckig und aufdringlich auf einen einreden, das ist einfach nur Belästigung...

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