Dienstag, 17. Januar 2017

{Lifestyle} Aufschiebersparnis oder die Sonnenseite der Prokrastination

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen. Dies mag nicht in jedem Fall die beste Entscheidung oder gar Lösung sein, manchmal allerdings ist die gute alte (Un)tugend der Aufschieberitis durchaus lohnend. So überraschend das jetzt auch klingen mag, vor allem in den Ohren derer, die sich durch diese Eigenschaft ihrer Mitmenschen von jeher mächtig genervt fühlen, entspricht es der Wahrheit. Prokrastination spart einem bares Geld. Nicht immer, aber doch oft genug, um diesem Phänomen ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Wenn ich es recht bedenke, zeichnet sich in meinem Lebenslauf eine durchgängige Aneinanderreihung verschobener Momente ab. Irgendwie konnte ich schon immer besser unter dem Druck herannahender Termine arbeiten. Ich bin zwar nicht sicher, ob es einfach an meinem Faultier-Gen liegt oder ob mein inneres Motivationsverhalten dafür verantwortlich zu machen ist. Jedenfalls habe ich gerade während meiner Zeit an der Uni mehr als nur eine Prüfungsvorbereitung oder anderwärtige Aufgaben am letzten Drücker erledigt. Dabei lag das Augenmerk zweifellos auf den näherrückenden Terminen, die zu meinem plötzlichen Ansporn beitrugen.

Neben dieser Art der Aufschieberitis gibt es jedoch noch eine weitere, die nicht mit einem konkreten Datum in Zusammenhang steht. Wer kennt sie nicht, jene Aufgaben, die einem im Hinterkopf herumschwirren und die man sich mittels mentaler Notiz vornimmt demnächst zu erledigen. Dann gelangen sie aus allen (un)möglichen Gründen aufs Abstellgleis und werden Woche um Woche, Monat um Monat Jahr um Jahr nicht in Angriff genommen. Der Grund ist dafür meist, dass etwas nicht so wichtig ist, um sofort gemacht zu werden, schließlich gäbe es ja dann auch einen Termin, der einen daran erinnert. Manches möchte sollte man einfach irgendwann mal machen, aber die Dringlichkeit ist einfach nicht gegeben. Und genau in solchen Fällen macht sich Faulheit manchmal echt bezahlt.

Markus Biehal via FreeImages

Das Erfreuliche am letzteren Szenario ist, dass sich manches tatsächlichg von selbst erledigt und man sich weder mit der damit verbundenen Arbeit noch etwaigen Kosten auseinanderzusetzen braucht. Lasst mich nun vom Grab meiner Großeltern erzählen. Bereits nach der Beerdigung meiner Oma vor mehr als zehn Jahren waren meine Mama und ich uns einig, dass es Zeit ist die Laterne und Vase an der Grabstätte zu erneuern. Diese waren schon durch die Elemente mitgenommen und hatten das charmante Stadium des beliebten Vintagelooks schon weit hinter sich gelassen. Solange man aber noch ein Lichtlein anzünden und Blümchen arrangieren konnte, wurde dies immer wieder auf die lange Bank geschoben. Eines schönen Herbsttages besuchte ich dann das Grab, nur um festzustellen, dass es so wie auch die unmittelbare Gräber unter Massen von Ästen verschüttet lag. Das von der Friedhofsverwaltung beauftragte Unternehmen, das eigentlich nur die Bäume ein wenig zurechtstutzen sollte, hatte diese (fast) zu Kleinholz gemacht und dabei Null Rücksicht auf die Gräber genommen. Kurz und gut, das hat Laterne und Vase im wahrsten Sinne des Wortes den Rest gegeben, inklusive kaputtem Glas und Delle. Eine wortreiche Beschwerde später wurden die demolierten Teile ersetzt und das Grab erstrahlte folglich in neuem Glanz. Der Schaden war durch die Versicherung der Friedhofsverwaltung gedeckt und man ließ sich keineswegs lumpen. Alles in allem hat dieser unschöne Zwischenfall uns aufgrund meiner Faulheit sowie der Unfähigkeit einiger Arbeiter um die € 300 gespart.

Ich werde nun nicht behaupten, dass dies ein häufig auftretendes Phänomen ist, allerdings erinnere ich mich da noch an die Sache mit den Fliesen am Balkon oder die Anschaffung neuer Trinkgläser, die sich ebenfalls durch konsequentes Aufschieben, in Wohlgefallen mit Spareffekt verwandelt haben. Da kann man es mir kaum verdenken, dass ich insgeheim Prokrastination durchaus für eine missverstandene und unterschätze Charaktereigenschaft halte. In diesem Sinne, lasst uns heute faul sein und morgen sparen.

Erledigst du Aufgaben lieber früher als später oder leidest auch du an Aufschieberitis? Hat dir letztere so wie mir schon mal Geld gespart?

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