Dienstag, 31. Januar 2017

{Lifestyle} Tauschgeschäfte anno dazumal oder Warten auf das Tausch(zentralen)revival

Wenn es in meiner Kindheit einen Laden gab, den ich noch mehr geliebt habe als ein Zuckerlgeschäft, dann war das die Tauschzentrale. Unweit vom Haus meiner Oma, recht unscheinbar an einer Hausecke mitten im Wohngebiet gelegen, lag sie - die Quelle unterhaltsamer Nachmittage und Wochenenden, an denen ich meine Nase in Donald Duck Hefte und Lustige Taschenbücher* steckte.
*In späteren Jahren wurden diese dann durch Gespenstergeschichten und Mystery Romane ersetzt. Wie es zu dem Bruch kam, von Disney zu Horror, ist schwer zu sagen, aber darum geht es hier ja auch gar nicht.

Vielleicht war dies sogar einer jener Momente, der mich auf den Weg zur Groschenzählerin gebracht hat. Ich kam mit einen Arm voll gelesener Hefte, der Ladenbesitzer wuchtete nacheinander Stapel aus den Regalen und ich durchforstete diese nach Ausgaben, die ich noch nicht in den Händen hatte. Alt gegen nicht-ganz-neu, plus ein paar wenige Schillinge Gebühr, und ich war wieder zumindest für eine Woche mit Lesestoff versorgt. Sparsam und nachhaltig. Man sollte meinen, dass sich ein solches Prinzip durchsetzen oder zumindest in kleinem Umfang halten würde, dem war aber leider nicht so. Ich war noch ein Teenager, als der Laden für immer seine verlockenden Pforten schloss. Bald schon wurde der ehemalige Eingang zugemauert und das kleine Geschäft verschwand in der Fassade des Wohnhauses, als habe es nie existiert. Trost fand ich nur für kurze Zeit, als ich in der Oberstufe an eine Wiener Schule wechselte und von da an jeden Tag auf dem Weg an einer Tauschzentrale vorbeikam. Von außen wenig einladend aber innen mit Leseschätzen gefüllt, besuchte ich das Kellergeschäft immer wieder mal, bis auch dieses endgültig dicht machte.

InspiredImages via Pixabay

Wenn ich es recht bedenke, Comics habe ich schon ewig nicht mehr gelesen, aber um mir gedanklich folgen zu können, ist es egal, um welche Art von Lesestoff es sich handelt. Irgendwann habe ich schlicht realisiert, dass ich die meisten Bücher ohnehin nur einmal las und sie dann in der Versenkung aka einem Schrank verschwanden, ohne jemals wieder Tageslicht zu sehen. Das ist erstens schade und zweitens Verschwendung. Heutzutage tummle ich mich gerne auf Flohmärkten, von denen ich oft säckeweise Beute nach Hause schleppe. Damit spart man schließlich nicht nur Geld sondern schenkt der ausrangierten Lektüre neues Leben. Und habe ich diese ausgelesen, schicke ich sie wieder auf den Weg in die wartenden Hände anderer Leseratten.

Und genau an diesem Punkt hakt es mächtig. Einzig der offene Bücherschrank kommt dem Prinzip des Tauschens wohl noch am nächsten. Es findet sich zwar durchaus an deren Tradition anknüpfende Alternativen, zumeist Tauschgruppen in Foren oder auf Facebook, aber mal ehrlich, es ist irgendwie nicht das selbe. Es fehlen einfach der Spannungsbogen und Überraschungseffekt, wenn man nicht nach Lust und Lauen stöbern kann. Ganz abgesehen davon, dass man vorab ein wenig blättern kann, bevor man sich zum Tausch entschließt. Wäre es daher nicht wunderbar, feierte die gute alte Tauschzentrale ein Comeback?

In meiner Kindheit gab es sie allerorts, heutzutage muss man schon genau suchen. Ganz ausgestorben sind sie nicht, denn eine Handvoll findet sich dann doch noch, in Wien habe ich immerhin das Romancenter am Reumannplatz sowie Comics & Romane im 2. sowie 20. Bezirk entdeckt. Von flächendeckend kann da kaum die Rede sein. Ob in Zukunft doch wieder mehr Tauschzentralen aus dem Boden sprießen werden, ist schwer zu sagen. Vielleicht bin ich da einfach zu nostalgisch, aber diese sind für mich eben etwas, das durchaus in die Kategorie "Früher war alles besser" fällt und ich mir schon lange zurückwünsche.

Hast du in deiner Kindheit und Jugend ebenfalls Heftln in der Tauschzentrale getauscht? Vermisst du diese Institution genauso sehr wie ich?

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