Dienstag, 10. Januar 2017

{Shopping} Des Verkäufers Seele oder die dunkle Seite der (Kauf)macht

Eigentlich ist es doch eine einfache Sache, Dinge zu kaufen. Man tauscht Geld gegen Ware und am Ende sind alle Beteiligten einer solchen Transaktion glücklich. Was in der Theorie wunderbar simpel klingt, ist jedoch in der Praxis nicht immer so, was vorrangig am Faktor Mensch liegt. Ich möchte nicht behaupten, dass dabei unsere Spezies die Wurzel allen Übels ist, aber diese Annahme ist doch naheliegend. Käufer und Verkäufer können durchaus friedlich koexistieren, Höflichkeit und Begegnung auf gleicher Augenhöhe inklusive, was allerdings nicht bedeutet, dass sie dies auch immer tun.

Da gibt es jene Individuen, bei denen spontan Tollwut ausbricht, sobald sie Fuß in ein Geschäft setzen, und die in Folge alles, was Namensschildchen trägt, so behandeln, als wären ihnen diese aus dem Dickdarm gerutscht. Erstaunlicherweise haben auch Verkäufer Gefühle, was an manchen Besuchern deren natürlichen Habitats jedoch vorbeigegangen zu sein scheint. Aber der Kunde ist König und eine emotionale Teflonbeschichtung gehört ohnehin zur Grundausstattung eines jeden Verkäufers. Schließlich hat die Person mit der vollen Geldbörse die Macht und dementsprechend kann sie diese wie ein Zepter in Form von herablassender Übellaunigkeit über den Köpfen des gemeinen (Verkaufs)knechts schwingen. Ich glaube nicht, dass man unbedingt auf der anderen Seite aka in den Schuhen eines Verkäufers stecken muss, um zu realisieren, dass gute Manieren und Respekt anderen gegenüber eigentlich etwas Selbstverständliches sein sollten. Manchen Personen würde solch eine Lektion allerdings keineswegs schaden und ich bin mir relativ sicher, dass die meisten ihr Verhalten überdenken und ändern würden, wenn sie sich sozusagen selbst bzw den eigenen Launen begegneten. 

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Man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu ahnen, dass ich aus Erfahrung spreche. Nachdem ich vor vielen Jahren neben meinem Studium im Handel gearbeitet habe, kann ich definitiv ein bis zwei Geschichten über Begegnungen der unfreundlichen Art erzählen. So richtig schlimm hat es mich persönlich dabei zwar nie erwischt, aber ich habe doch so einiges über den Verfall von Manieren und Anstand gelernt in dieser Zeit. Auf des Rätsels Lösung, was manche Individuen dazu bringt, sich aufzuführen wie Diktatoren auf Zuckerentzug, bin ich dabei nie gekommen. Vielleicht liegt dies schlicht daran, dass ich mich nicht für Psychologie als Studienfach entschieden habe.

Mein damaliges Jagdgebiet war der Buchhandel und man sollte meinen Leser seien ein sanftmütiges Volk. Diese fälschliche Annahme meinerseits fand ihren Ausgleich in der nicht weniger korrekten Zuschreibung eingeschränkter Denkleistung sämtlicher Angestellter im Handel. Interessanterweise, und dies mag bei jedem anders sein, waren es nicht so sehr die verbale Diskriminierung im Stil von "Ich werde Ihnen das besser buchstabieren ..." sondern der Umgang mit der Ware an sich, die mich zur Weißglut trieben. Mein Blutdruck erreichte dabei mehr als einmal ein beunruhigend hohes Niveau, wenn ich wie Sisyphus hinter der blätternden Kundschaft herräumte. Ich habe heute noch Albträume davon, dass jemand raunzt, weil es kein Original verpacktes Exemplar von einem Bildband gäbe, da *Sarkasmus ein* irgendein besonders helles (Kunden)köpfchen vom ganzen Stapel die Plastikfolien runtergefetzt hat, scheinbar um nachzusehen, ob jedes Exemplar den selben Inhalt hat. *Sarkasmus aus*

Die Frage ist nun, wie geht man als Person hinter der Ladentheke damit um? Da gibt es doch diesen Spruch von wegen "Krönchen richten ..." und in diesem Sinne hieß es, freundlich und vor allem sachlich bleiben. Sobald die Gewitterfront Richtung Kasse abgezogen war, folgte dann ein kollektives Augenrollen der Kollegenschaft oft untermalt von ein paar farbenfreudigen Kommentare darüber, dass da jemand scheinbar von Hyänen großgezogen wurde. Mein persönliches Mantra oder besser gesagt Fluch? Möget ihr viele Kinder haben und diese euer Heim genauso verwüsten wie ihr diese Regale.

Hast du jemals im Handel gearbeitet? Falls ja, was war dein schlimmstes Erlebnis mit Kunden? Falls nein, konntest schon mal solche "Zusammenstöße" beim Einkaufen beobachten?

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