Dienstag, 24. Januar 2017

{Shopping} Die Schnäppchenfalle oder Mathestunde für Abverkaufsopfer

Wer kann schon einem wahren Schnäppchen widerstehen? Und all dem Geld, das man sich mit diesem spart! Hier verbirgt sich ein ganz übler Denkfehler und die meisten wissen diesen zu umrunden, indem sie die Betonung auf die tolle Ersparnis legen. Unerwähnt bleibt allerdings, wie viel erst einmal bezahlt werden musste, um in deren Genuss zu kommen. Da mutiert das vermeintliche Schnäppchen zur Kostenfalle, was jedoch gerne unter den Tisch gekehrt wird. Obwohl ich durchaus davon überzeugt bin, dass sich viele, aber leider nicht alle, dieses Umstands bewusst sind, diesen dennoch lieber verdrängen, als sich die Lust am Einkaufen nehmen zu lassen, bleibt mir nichts anderes übrig, als die schweren Geschütze aufzufahren.

Das magische Wort lautet Kaufverbot. Das ist ja alles gut und schön, werden manche sagen, aber gar nicht so einfach. Da kann ich nicht widersprechen, denn im Grunde ist es (fast) so wie beim Versuch mit dem Rauchen aufzuhören -  wenn es nicht im Kopf *klick* macht und sich die eigene Einstellung ändert, ist es echt schwer. Allerdings kann man durchaus lernen, nicht bei jedem Schnäppchenalarm mit gezückter Kreditkarte durch die offene Ladentür zu preschen, als ginge es dabei ums nackte Überleben. Ich bin jedenfalls der Meinung, was man sich angewöhnen kann, kann man sich genauso wieder abgewöhnen.

geralt via Pixabay

Es ist Zeit für eine kleine praktische Übung inklusive Rechenaufgabe:

  • Ihr habt ab jetzt ein Monat Kaufverbot. Jetzt bitte keinen langen Gesichter, ein Monat ist nicht die Ewigkeit und ihr werdet mir alle noch dankbar dafür sein. Und wer jetzt meint, bis zum 1. des Folgemonats warten zu müssen, dem sei gesagt, es geht ab sofort los. Das letzte, was passieren soll, ist dass am letzten Drücker diverse Geschäfte unsicher gemacht werden, um sich auszutoben, bevor schnäppchentechnisch harte Zeiten anbrechen.
  • Ihr werdet dabei eine Nichtkaufliste führen. In diesem Monat wird ein Notizbuch euer bester Freund sein und in diesem werden all jene Dinge vermerkt, die ihr unter normalen Umständen gekauft hättet. Neben den Namen des Artikels kommen drei Spalten für Originalpreis, Aktionspreis und Ersparnis. Am Ende des Monats darf dann addiert und subtrahiert werden. Seht euch dann (ohne zu jammern!) an, wie viel ihr im Schnäppchenfieber gespart hättet, bevor ihr euer Augenmerk darauf legt, was ihr tatsächlich gespart habt, weil ihr all diese Dinge nur auf dem Papier gekauft habt. Das, meine Freunde, ist die wahre Ersparnis!

Wie sieht es denn mit meiner Wenigkeit aus? Ich will  nicht lügen, vor gut zehn Jahren war ich selbst dem Schnäppchenwahn verfallen und immer stolz darauf, was ich dachte, dabei gespart habe. In Wirklichkeit habe ich Geld unnötig verschwendet, alleine getrieben davon, ein scheinbar gutes Geschäft zu machen. Wenn man das Gekaufte nicht zu schätzen weiß und die wahre Freude darin liegt, den ersparten Prozenten hinterherzuhecheln, hat man ein Problem. Zu einer Zeit, als das Ich-kauf-nix Phänomen noch nicht die mediale Präsenz hatte wie heute, ging ich gemeinsam mit einer Freundin auf kalten Entzug. Es war keineswegs einfach, aber ich habe im Verlauf der Monate sehr viel über mein Konsumverhalten gelernt. Und ja, unterm Strich auch verdammt viel dabei gespart.

Werde ich denn bei Schnäppchen niemals schwach? Natürlich gönne ich mir gerne schöne Dinge, allerdings kaufe ich diese bewusst und lege mittlerweile auf völlig anderes Wert im Gegensatz zu früher. Wenn für mich kein Mehrwert gegeben ist, dann kaufe ich es nicht. Punkt. Dies mag für einige sehr düster klingen, dabei ist es keineswegs gleichbedeutend mit Verzicht. Ich treffe eben überlegte Kaufentscheidungen, sodass ich im Endeffekt Freude mit dem habe, was ich erstanden habe und es tatsächlich (be)nutze. Kaufrausch und daraus resultierende Katerstimmung gehören damit für mich der Vergangenheit an.

Tappst du gerne mal in die Schnäppchenfalle oder bist du gegen diese immun? Hast du schon mal Kaufverzicht geübt und wie ist es dir dabei ergangen?

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