Dienstag, 14. März 2017

{Lifestyle} Bitte schenk mir nix oder weshalb wir auf Geschenke verzichten sollten

Bei mir staut es sich Anfang jeden Jahres aufs Neue. Geburtstage und andere Anlässe kumulieren sich in den ersten Monaten und lassen mich, dank eines Nachzüglers im Juni, erst ab dem Sommer eine wohlverdiente Verschnaufpause einlegen. Klarerweise sucht man sich weder Familie noch Freunde dahingehend aus, wann diese Geburtstag, Hochzeitstag oder Ähnliches feiern, aber manchmal wünschte ich mir, diese Anlässe wären ein wenig gleichmäßiger verteilt. Abgesehen davon, dass mein Ideenreichtum nach Weihnachten auf Talfahrt geht, läppern sich in Folge die Kosten für all die kleinen oder auch großen Aufmerksamkeiten und Geschenke ganz schön zusammen. So lässt der Wellengang auf meinem Konto im nachweihnachtlichen Fahrwasser erst nach, wenn selbst der Osterhase schon wieder Feierabend machen durfte.

Wenig verwunderlich spiele ich seit einiger Zeit mit dem verlockenden Gedanken des Geschenkverzichts. Sich das Schenken schenken? Absolut. Ich finde, es gibt vieles, was dafür spricht, einander nicht permanent, zu allen möglichen Anlässen mit Geschenken zu überhäufen. Abgesehen vom finanziellen Blickwinkel gibt es nämlich andere, nicht weniger wichtige Gründe, vorrangig die Tatsache, dass die meisten von uns ohnehin schon genug Zeug besitzen. Im Jahr für Jahr über uns hinwegziehenden Geschenkeregen geht so vieles unter, verschwindet in Schränken und gerät in Vergessenheit. Geschmacksverwirrung des Schenkers oder prinzipielle Unnötigkeit des neuen Gegenstands tragen kaum zur Besserung dieses Zustands bei. Damit bleiben Freude und Wertschätzung definitiv auf der Strecke. So man uns Manieren beigebracht hat, bedanken wir uns dennoch artig, anstatt unsere wahre Meinung kundzutun. Höflichkeit ist zwar eine gute Sache, manchmal stellen wir uns damit jedoch nur selbst ein Bein.

Levas Neec via Photl

Allerdings ist es teilweise gar nicht mal so einfach, eine entsprechende Übereinkunft zu treffen. Da gibt es jene, die es sogar verdammt persönlich nehmen, wenn man ihnen sagt, sie bräuchten einem nichts zu schenken, fast so, als wäre dies gleichbedeutend mit dem Aufkündigen der Freundschaft. Dann melden sich die besorgten Stimmen jener, die zu Unrecht vermuten, man wäre pleite und deshalb auf die Schenkerei verzichten wolle. Und manchmal wird tatsächlich verständnisvoll genickt, nur um am Ende doch mit einem Geburtstagsgeschenk überrascht zu werden. Wie man es auch dreht und wendet, es ist alles, nur nicht einfach, anderen das Prinzip des Geschenkverzichts näherzubringen.

Wie bringt man anderen am Besten bei, dass man sich dem Geschenkverzicht verschrieben hat? Mit Ehrlichkeit, ein wenig Fingerspitzengefühl und zur Not dem Hinweis darauf, dass man im Grunde nichts vom anderen erwartet, außer nichts zu verschenken.

  • Ehrlich währt am längsten. Egal ob es nun am Kontoniedrigstand liegt oder man sich generell in Konsumverzicht üben will, sollte man die eigenen Beweggründe genau erläutern. Schließlich ist ein solcher Entschluss keine Einbahnstraße, da das Gegenüber ja idealerweise ebenfalls mitmachen soll. Ersucht darum, eure Entscheidung zu respektieren, und stellt unbedingt klar, dass dies nichts mit eurem Verhältnis* zueinander zu tun hat.
    *Die einzige Beziehung, auf die man getrost verzichten kann, ist jene, die ohnehin nur auf dem Erhalt von Dingen basiert.
  • Alternativen anbieten. Anstatt einander wie bisher mit Dingen zu beschenken, kann man etwas viel Kostbareres geben, nämlich Zeit. Von gemeinsamen Erlebnissen, die oft wenig* bis gar nichts** kosten, hat man doch ohnehin mehr als von irgendwelchen Staubfängern.
    *Zoobesuch
    **Wanderung
  • Ausnahmen zulassen. Sei es die Oma oder der beste Freund, in ein bis zwei Fällen kann man sich natürlich darauf einigen, einander ein Geschenk zu geben.
  • Schuldgefühle ablegen. Unverbesserliche Individuen, die zwar das Prinzip des Nicht-Schenkens verstehen, aber dieses partout nicht umsetzen wollen, gibt es immer wieder. Dazu kann ich nur sagen, wer nicht hören will, bekommt trotzdem kein Geschenk!

Kannst du dich grundsätzlich mit der Idee des Geschenkverzichts anfreunden oder käme dies für dich nie in Frage? Was wäre für dich der wichtigste Grund, um vom Austausch von Geschenken Abstand zu nehmen?

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