Dienstag, 28. März 2017

{Lifestyle} Kleine Börse, großer Hunger oder wie man sich mit € 1 pro Tag ernährt

Mein erster Gedanke? Das kann unmöglich gesund sein. Mein zweiter Gedanke? Da muss man schon sehr kreativ bei der Umsetzung sein. Dann streift mich der dritte und wohl erschreckendste Gedanke. Es gibt Menschen, die es sich nicht aussuchen können, um wie viel wenig Geld sie jeden Tag Mahlzeiten auf den Tisch bringen. Was für den einen ein interessantes Gedankenexperiment ist und vielleicht sogar einen Selbstversuch wert, ist für den anderen ernüchternde Realität. Da wird nicht aus Neugier herumgerechnet, sondern aus der Not heraus. Und während der eine nach einen Monat experimentellen Sparens sich zur Belohnung für's Durchhalten ins Lugeck setzt, wo innerhalb eines Abends locker die Summe der gesamten Monatsbudgets verfuttert wird, ist für den anderen noch lange nicht Schluss, denn der Kreis dreht sich für manche immer weiter. 

Mein Frühstück alleine kommt auf gut 50 Cent und ich finde, das ist eigentlich durchaus günstig. Natürlich handelt es sich dabei nicht um ein full American breakfast mit allem Drum und Dran, denn ich bin Morgens doch eher puristisch unterwegs mit meinen paar Scheiben Vollkorntoast mit Margarine. Diese Kosten ließen sich vermutlich auf etwa die Hälfte reduzieren, würde ich auf diverse Eigenmarken zurückgreifen. Dabei ist mein Häferl Tee hier noch gar nicht mit eingerechnet. Einen Teebeutel könnte ich wohl mit rund 10 Cent anberaumen, aber normalerweise trinke ich ja nur losen Tee und das verdoppelt den Betrag gleich wieder. Unterm Strich käme ich wohl auf 70 Cent jeden Morgen. Die Vorstellung meinen Blutzuckerspiegel mit nur 30 Cent den Rest des Tages bei Laune zu halten, ist wahrlich düster. Die Billigversion meines Frühstücks würde die Bilanz umdrehen und mir immerhin 65 Cent zugestehen, aber ehrlich gesagt, ist mir der Appetit mittlerweile vergangen. Ich rechne hier für einen Blogartikel herum, andere leben dies Tag für Tag. 

Studio CI Art via Photl

Wer sich nicht selbst daran versuchen möchte, kann aus sicherer Entfernung, und dabei gleichzeitig in beruhigender Nähe eines vollen Kühlschranks, an Projekten wie On a Dollar a Day bis hin zu One Pound Per Day teilhaben. Während ich mir bei meiner Recherche nebenher eine Packung Manner Schnitten* reinschiebe, fällt mir der vielzitierte Schrank voll nichts anzuziehen ein. Wie oft steht man vorm gefüllten Kühl- oder Vorratsschrank vor der Qual der Essenswahl und kann sich irgendwie für nichts davon entscheiden. Dabei könnte man mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Menüs aus den vorhandenen Ingredienzen zaubern, ganz zu schweigen von all den Fertiggerichten, die man ohnehin nur in der Mikrowelle zu parken braucht. Hat man fast nichts vorrätig, ist die entscheidende Frage nicht was, sondern wie ich etwas auf den Teller bringe
*Kostenpunkt etwa 65 Cent ... inklusive Billigversion meines Frühstücks hab ich damit offiziell mein Tagesbudget weggefuttert. 

Leseempfehlungen

Manche Menschen haben keine Wahl, während andere eine Woche lang auf Sparflamme schalten, um zu sehen, wie das mit der selbst auferlegten Armut so ist. Zeitlich begrenzt Abstriche zu machen, kann aber nie mit dem Dauerzustand mithalten, sondern maximal die Problematik greifbarer machen. Gibt man wie ich im Durchschnitt € 5 pro Tag für Lebensmittel aus - meines Erachtens nicht wirklich viel, aber für meine Bedürfnisse eben genau richtig - ist es ein Quantensprung zur € 1 Versorgung. Bei einigen wird diese Kluft sicherlich noch größer sein und ein Versuch würde entsprechend noch drastischer ausfallen. Dieses Szenario in der Theorie zu durchdenken, war für mich schon mehr als ernüchternd und "ausprobieren" will ich dies wahrlich nicht. Andere können sich den Luxus einer solchen Entscheidung jedoch im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten. Sie (über)leben, indem sie sich daran gewöhnt haben oder besser gesagt gewöhnen mussten. In der Not ist dies wohl das Einzige, das bleibt.

Kannst du dir vorstellen, dich um nur € 1 pro Tag zu ernähren? Ab wie viel Euro pro Tag glaubst du, kann man eine ausgewogene Ernährung gewährleisten?

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