Dienstag, 21. März 2017

{Shopping} Modischer Größenwahn(sinn) oder ein Ausflug in den Konfektionsgrößendschungel

Eigentlich ist es schon recht merkwürdig - jeder will modisch so individuell wie möglich sein, muss sich aber dennoch zumindest einer Norm unterwerfen, der Konfektionsgröße. Dabei sind doch unsere Körper keiner Einheitsform entsprungen, sondern präsentieren sich kunterbuntrund. Alles halb so wild, denn viele Modeproduzenten halten sich ohnehin nicht wirklich an die Standardformel* zur Berechnung von Kleidergrößen, was am Ende dazu führt, dass auf die kleine Zahl im eingenähten Etikett kaum Verlass ist. Egal ob eigenes Größensystem oder Vanity Sizing, die Kluft zwischen Zahl und tatsächlicher Passform eines Kleidungsstücks ist oft erstaunlich groß.
*Konfektionsgrößen werden im Regelfall wie folgt angegeben: Brustumfang geteilt durch 2 Zentimeter. Bei Frauen wird von diesem Wert noch 6 abgezogen.

So kommt es mitunter vor, dass man bei der einen Marke locker in eine Hose in Größe 38 passt, während man sie bei einer anderen sogar in Größe 42 nicht weiter als bis zu den Knien hochziehen kann. Situationen wie diese sind besonders dann unerfreulich, wenn man ohnehin schon ewig gewartet hat, um endlich in eine Umkleidekabine zu gehen und dann erst nichts richtig passt. Also zurück zur Startposition, nächste Größe holen, nochmal anstellen und aufs Beste hoffen, wenn man sich in ein nunmehr hoffentlich passendes Teil reinwurschtelt. Und vom Umtauschhorror bei Onlinebestellungen fange ich jetzt besser gar nicht an. Während es bei Hausnummern oder der Temperaturskala blendend funktioniert, sind Größenbezeichnungen oft alles andere als zuverlässig. Und die Zahlen sind dabei erst der Anfang ...

VirginiePount via Pixabay

... denn nicht nur mit diesen wird Schindluder getrieben, nun trägt auch noch das Alphabet zur allgemeinen Verwirrung bei. Egal ob M oder XXL, jene ausgeschriebene Form der Größenangabe, welche dezent darauf hinweist, ob man größentechnisch eher in die Kategorie Waldfee oder Oger fällt, erschwert das modische Einkaufserlebnis nur noch mehr. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass es nicht mal den Hauch einer Einheitlichkeit bei der "Übersetzung" in reguläre Größen gibt. Um ein Bespiel zu nennen: Bei Esprit entspricht M einer 38, bei C&A bezieht sich M auf die Doppelgröße 40/42 und bei Hanro auf 42/44. Die tatsächliche Passform lasse ich hier jetzt mal außer Acht, aber grundsätzlich lässt sich schon behaupten, dass zwischen 38 und 44 ein kleiner Unterschied ist. Der Gipfel sind dann jene Onlineshops, die alles mit Buchstaben deklarieren ohne jegliche zusätzliche Maßangaben oder Vergleichsmöglichkeit zu Normalgrößen anzuführen. Deren Motto lautet offenbar, wenn's nicht passt, bist du selber schuld.

Ich mag mich nicht allzu oft in ein Kleidungsgeschäft verlaufen, aber falls doch, dann betrete ich es, in Ermangelung eines guten Augenmaßes, nie ohne Maßband in der Tasche. Klarerweise ersetzt das Abmessen von Bluse, Rock & Co nicht die Anprobe, aber man kann zumindest grob, die zu enge/weite Spreu vom passenden Weizen trennen. Und manchmal stelle ich mir schon die Frage, wieso keiner den willkürlichen Größenangaben Einhalt gebietet. Zur Information sollen sie dienen und im Endeffekt tragen sie nur zu Verwirrung und Frust bei. Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber am Einfachsten wäre es doch, sich an die tatsächlichen Maße zu halten, aber ich habe den Verdacht, dass viele sich nur ungern mit der Realität der eigenen Körpermaße auseinandersetzen wollen. Solange diese nicht die psychologische Hürde in den dreistelligen Bereich überspringen, mag man sich ja noch mit den (hohen) Maßangaben anfreunden, aber spätestens, wenn die Hüften sich der 100 nähern, nagt das bei so manchem am Selbstwertgefühl. Dabei geht es doch nur darum, ein passendes Kleidungsstück zu finden und während man sich einreden kann, etwas fiele eben sehr klein aus, kann man das um die Hüften geschlungene Maßband kaum einen Lügner schelten.

Findest du den Dschungel an Konfektionsgrößen genauso unsinnig wie ich? Verlässt du dich eher auf Größenangaben, dein Augenmaß oder ein Maßband ?

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