Dienstag, 25. April 2017

{Lifestyle} Oh du mein Schilling oder es war einmal (k)ein Euro

Was haben alle getan, als Anfang 2002 der Euro eingeführt wurde? Abgesehen vom Jammern und Raunzen wegen der im Laufe des Jahres nicht nur subjektiv durchs Dach schießenden Preise, meine ich. Zwischen alter und neuer Währung umrechnen, lautet die korrekte Antwort. Dabei begann man bereits drei Monate vor der Umstellung Preise doppelt auszuzeichnen, was wohl viele zur Kenntnis genommen aber nicht so recht verinnerlicht haben. Im Dezember konnten dann in der nächsten Etappe Euro-Startersets in Banken erworben werden. Dies entpuppte sich in doppelter Hinsicht als clevere Marketingidee, denn einerseits brauchten wir alle den Inhalt der Sackerl in den Folgewochen und konnten uns so bereits vorab ein wenig damit auseinandersetzen, andererseits war dies auch eine allseits beliebte Geschenkidee zum Nikolo und Weihnachten. Bei mir klingelten mehrere solche Sackerl als kleine Aufmerksamkeit ins Haus und ich habe sogar noch irgendwo einen Original verpackten Münzsatz. 

Nicht nur das große Umrechnen setzte damals ein, denn Umtauschen war nun ebenfalls angesagt. Am leichtesten brachte man Restbestände des Schillings im Handel an, da dieser in den ersten beiden Monaten des Jahres noch als Zahlungsmittel verwendet werden konnte. Praktischerweise gab es aber nur den Euro als Retourgeld. Den Schilling auf diese Weise "anzubringen" war zwar praktisch, allerdings kam es bald zu einem interessanten Phänomen. Ich schätze, jeder von uns fand sukzessive weitere Münzen oder gar Scheine an allen möglichen Orten. Ob eine Handvoll Münzen im hintersten Eck einer Lade oder ein zerknitterter Zwanziger in der Jackentasche - kaum umgetauscht, tauchten noch mehr auf. Bei mir selbst zwar schon seit längerem nicht mehr, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, doch noch dem ein oder anderen Schilling zu begegnen. Immerhin befinden sich noch 8,55 Milliarden (!) Schilling in Umlauf!

kues via Freepik

Mittlerweile sind 15 Jahre ins Land gezogen und ich vermute, dass trotz des Eingangs erwähnten Jammerns und des durch die Währungsumstellung in permentem Rechnungsmodus befindlichen Großhirns, jetzt wohl auch die letzte Person damit aufgehört hat, von Schilling in Euro umzurechnen. Bei mir ging es vermutlich sogar eine Spur flotter als bei den meisten, da ich zu der Zeit noch im Handel gearbeitet habe und somit ins kalte Gewässer der Euro-Realität geworfen wurde. Als besonders negativ in Erinnerung blieb mir dabei die Tatsache, dass sich plötzlich das Trinkgeld* im Centbereich bewegte. Jedenfalls spiegelte es sehr gut wieder, dass so gut wie keiner eine Ahnung hatte, was all die schönen neuen Scheine und Münzen wert sind. Ich mag vielen eine Nasenlänge beim Umgewöhnen voraus gewesen sein, allerdings habe ich in meiner Geldbörse noch monatelang nach den richtigen Münzen gestierlt, bis ich blind reingreifen und mit der korrekten Münze dienlich sein konnte.
*Zu jener Zeit habe ich bei Eduscho gearbeitet und da viel doch ein wenig Schmattes ab, wenn man Kaffeedienst hatte.

So sehr dem guten alte Schilling auch nachgetrauert wurde (und wird), wage ich zu behaupten, dass wir vielmehr die Preise dieser Zeit vermissen. Ginge man wieder mit Schilling einkaufen, würde uns alle das kalte Grauen erfassen, denn wir denken verständlicherweise noch in dem alten Preisschema des Schillings und berücksichtigen dabei nicht unbedingt, dass sich nach 15 Jahren logischerweise alles verteuert hat. Selbst wenn man dann den exakten Gegenwert in der Börse hat, würde die Summe am Kassenzettel zumindest kurzfristig zu Herzrythmusstörungen führen. So darf mich persönlich der Anblick einer Schillingmünze gerne nostalgisch stimmen, immerhin habe ich mir sogar als Glücksbringer eine 1-Schilling Münze mit meinem Jahrgang aufgehoben. Wirklich abgehen tut mir unsere alte Währung jedoch nicht. Würde ich im Gegensatz dazu den Euro vermissen? Nun, die nächste Währungsumstellung wird es weisen.

Wie lange hast du noch in Schilling umgerechnet? Vor die Wahl gestellt, hättest du gerne den Schilling zurück oder eher nicht?

Kommentare:

  1. ich hab sehr lang umgerechnet - v.a. wenn man bedenkt, dass ich 2002 gerade mal 13 jahre alt geworden bin ;)
    zurück haben will ich ihn jetzt aber auch nicht mehr ;)
    liebe grüße, bettina

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    1. Mach dir nichts draus - ich denke, das hat gar nicht so viel mit dem Alter zu tun, sondern sehr viel mit dem "unhandlichen" Euro-Schilling Wechselkurs. In Deutschland ging es sicher einfacher, die brauchten nur grob durch 2 dividieren.

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    2. das stimmt allerdings!

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