Dienstag, 4. April 2017

{Shopping} Lass uns doch mal (Schaufenster)bummeln gehen oder schauen ist billiger als kaufen

Man muss wohl zu den (etwas) älteren Semestern zählen, um sich daran erinnern zu können, dass man einst an Sonntagen in der SCS einen Schaufensterbummel unternehmen konnte. Zu jener Zeit, Anfang der 80er Jahre, war das Einkaufszentrum von der Größe her noch bescheidener und offenbar gab es weniger Bedenken bezüglich der Sicherheit, die eben jene Besuche außerhalb der Geschäftszeiten ermöglichten. Als Kind hat es mir gefallen, mir die Nase an Auslagen plattzudrücken und das tut es auch heute noch. Mittlerweile sind es nicht mehr die Verlockungen, die ein Kinderherz zum Träumen bringen, sondern ganz andere Dinge, die mich in ihren Bann ziehen.

Wer schon einmal bei Harrods in London oder Macy's in New York war, wird nun sicher andächtig seufzen und sich an die wunderschön dekorierten Auslagen erinnern. Manchmal ein zauberhafter Märchenwald, dann wieder ein ultramodernes Arrangement, aber stets mehr Kunstwerk als reine Zuschaustellung der feilgebotenen Waren, die einen in die dahinter liegenden Geschäftsräume locken sollen. Zugegeben, mich lädt dies zwar zum Träumen, aber nie zum Kaufen ein, frei nach dem Motto - das Auge isst mit, jedoch die Börse leert sich nicht.

LisetteBrodey via Pixabay
Hierzulande, wo sich mittlerweile Geschäfte nach bestem Vorbild bei der Dekoration und Präsentation ins Zeug legen, kann sich das Auge ebenfalls auf den großen Einkaufsstraßen sattsehen. Nicht jede Auslage mag durch künstlerisch wertvolle Ideen hervorstechen, aber das muss auch gar nicht sein. Manchmal geht es um eine ganz andere Art der Reaktion auf optische Reize, nennen wir diese den humorvollen Kommentar, umgangssprachlich als Spötteln bekannt. Während ich dann auf einer (Straßen)seite die gekonnte Komposition in einem Schaufenster andächtig würdige, erfährt die andere Seite eine Zuwendung der eher bissigen Art. Dabei zielt eine solche nicht auf das fehlende Talent des Dekorateurs ab sondern auf modische Verfehlungen so manchen Designers. Kurz und gut, ich gehe sowohl mit Wertschätzung als auch Lästerei recht großzügig um, wenn ich einen Stadtbummel unternehme. Ich nenne es das "Das bist sooo du!" Spiel, bei dem es darum geht, die schrecklichsten Teile zu entdecken und der Begleitung* mitzuteilen, dass sie dieses unbedingt brauche. Das trainiert die Lachmuskeln und schont noch dazu die Geldbörse.
*In Form eines Selbstgesprächs ist das irgendwie nur ... seltsam.

Jedenfalls steht eines fest, nämlich dass ein Schaufensterbummel keineswegs zum Einkaufsbummel mutieren muss. Gemeinerweise wird dabei durchaus die Kauflust angeregt, wenn sich hier eine schicke Ledertasche und da ein bezauberndes Collier in der Auslage rekeln. Sich diesem Sog zu widersetzen, erfordert Willensstärke und eventuell eine Begleitung, die einen an den Zügeln Ärmeln zurückhält, wenn man sich mit gezückter Kreditkarte ins Vergnügen stürzen will. Am Besten betrachtet man all die Geschäfte und deren dargebotenen Versuchungen wie eine Blumenwiese - man genießt deren Anblick, pflückt jedoch keine ab. Schließlich hat man zu Hause meist genug Topfpflanzen*, die müde vor sich hinvegetieren und nicht die Aufmerksamkeit erfahren, die sie eigentlich verdienen. Alternativ kann man ein Spiel daraus machen, indem man sich alles auf einen Zettel schreibt, was einen so anlacht und man unter anderen Umständen kaufen würde. Daheim rechnet man sich die Gesamtsumme aus, deren Ausgabe man sich erspart hat. Ein wenig stolz darf man in Folge auf die eigene Zurückhaltung schon sein, vergessen darf man die Lektion allerdings nicht. Vielmehr soll man aus dem eigenen Verhalten lernen und in Hinkunft nicht bei jedem Spaziergang unreflektiert Blümchen pflücken. Hin und wieder darf natürlich ein Primerl mit, aber immer schön hegen und pflegen - Wertschätzung ist nämlich eine vernachlässigte Tugend!
*Für all jene, die nun schwer von Begriff sind, ich beziehe mich auf die mit hübschen Dingen überquellenden Schränke.

Machst du gerne einen Schaufensterbummel ohne dabei ein Geschäft zu betreten? Wann hat dich zuletzt etwas in einer Auslage zum Kauf verleitet?

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