Dienstag, 23. Mai 2017

{Lifestyle} Liebes, teures Narrenkastl oder wenn Bilder laufen und den Gebühren doch nie entkommen

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da gestaltete sich die allabendliche Entscheidungsfindung, was man sich denn im Fernsehen ansehen solle, wahrlich einfach. Damals gab es nur zwei Sender, nämlich FS1 und FS2, und so brauchte man im Zweifelsfall bloß eine Münze zu werfen. Einige werden jetzt verwirrt die Stirn runzeln, was bei den etwas jüngeren Semestern durchaus verzeihlich ist. Daher zur Aufklärung - es handelte sich um die ersten öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme hierzulande, mittlerweile als ORF eins und ORF 2 bekannt. Vielleicht blicke ich nur in verklärter Nostalgie zurück auf jene Tage, in denen die Biene Maja noch recht farblos* über den Bildschirm flackerte. Wir waren einfach genügsamer, schließlich gab es nur zwei Sender und wenn nichts lief, was man sich anschauen wollte, wurde das Gerät eben nicht eingeschalten.
*Meine Eltern haben sich erst Mitte der 80er einen Farbfernseher gekauft!

Gejammert, dass im Fernsehen nix g'scheites läuft, während man ziellos durch geschätzte 124 Sender zappt, wurde in meiner Kindheit jedenfalls nicht. Gejammert, weil die Rundfunkgebühren schon wieder angehoben wurden, wurde meines Wissens nach nicht. Wenn man bedenkt, dass die technische Errungenschaft des Fernsehgeräts durchaus als Statussymbol galt, das sich Anfangs nicht jeder leisten konnte, macht dies schon Sinn. Für diesen neuen Luxus, der zu Hause über den Bildschirm flackernden bewegten Bilder, blätterte man gerne Geld hin oder hinterfragte es zumindest nicht groß. So wie ein Semmerl vom Bäcker, bekam man ja auch hier etwas für die zu entrichtende Gebühr.

Pexels via Pixabay
Spätestens mit Einführung von Privatsendern wurde die gute alte Rundfunkgebühr von vielen als weniger gut und definitiv alt gesehen. Wer will schon für ein halbes Dutzend Sender den gleichen oder sogar höheren Betrag* zahlen, wie für eine ganze Armada an privaten Sendern? Das Argument, dass keine Werbepausen das Sehvergnügen stören, zieht nun mal nicht bei jedem. Bedenkt man darüber hinaus die Anzahl an verschiedensten Privatsendern und das damit einhergehende breitere Angebot an Sendungen, wird Werbung zur Nebensache. Außerdem ist der Mensch anpassungsfähig und macht das Beste aus einer Situation, so werden diese Unterbrechungen sinnvoll genutzt, indem man rasch auf die Toilette geht oder sich ein Getränk aus der Küche holt, ohne dabei etwas zu verpassen.
*Kleines Rechenbeispiel: Ich bezahle bei Kabelsignal € 17,90 pro Monat (jährliche Abbuchung), während die GIS € 52,66 alle zwei Monate von mir erhält.

Bei einem Gespräch mit einer Freundin aus den USA war diese jedenfalls perplex, dass einen hierzulande alleine der Besitz eines Fernsehgeräts dazu verpflichtet, eine solche Gebühr zu bezahlen. Egal, ob man die ORF Programme jemals einschaltet oder nicht, zahlt man nicht, kommt der GIS Mensch hartnäckig immer wieder. Ein Fernsehgerät ist eben melde- und gebührenpflichtig und keines zu besitzen offenbar höchst suspekt. Ob dies fair ist, sei nun dahingestellt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis hinkt jedenfalls gewaltig, wenn man sich anschaut, was man bei Kabel, SAT & Co geboten bekommt. Da stößt die aktuellste Anhebung der Gebühren im April diesen Jahres wohl den meisten bitter auf. Würden wir freiwillig auf unser Narrenkastl verzichten? Wohl kaum, denn wir haben es einfach zu lieb gewonnen, um uns davon zu trennen und nehmen die Zwangsgebühren murrend hin.

Kann man denn die lästigen Rundfunkgebühren irgendwie umgehen? Jein. Besitzt man weder Fernseh- noch Radiogerät muss man klarerweise nicht bezahlen, wobei jedoch Mitarbeiter der GIS in regelmäßigen Abständen vorstellig werden. Diese haben zwar kein Zutrittsrecht, dürfen allerdings in Begleitung der Bezirksverwaltungsbehörde überprüfen, ob man tatsächlich über keine Rundfunkempfangseinrichtung verfügt. Besitzt man einen internetfähigen Computer (ohne TV-Karte!), ist man laut Urteil des VwGH seit 2015 nicht mehr zur Bezahlung der Gebühr verpflichtet. Darüber hinaus haben bestimmte Personengruppen Anspruch auf Befreiung von der Rundfunkgebühr.

Was hältst du von der (wieder einmal angehobenen) Rundfunkgebühr? Findest du sie überholt oder hat sie durchaus ihre Berechtigung?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen