Dienstag, 30. Mai 2017

{Shopping} (K)eine haarige Sache oder wie Werbung unser Denken und Kaufen manipuliert

Im Grunde genommen lässt die Werbeindustrie echt kein gutes Haar an uns. Schenkt man all den Werbeplakaten oder Werbespots Glauben, müssen unsere Körper optimiert werden, wo es nur geht. Wir glauben es. Und kaufen es. Ein Beispiel, das in meinen Augen besonders hervorsticht, ist die Sache mit den Haaren. Ich rede jetzt nicht von der wallenden Mähne, die sogar Rapunzel eifersüchtig machen würde. Ganz im Gegenteil, es geht nämlich um so ziemlich jedes andere Körperteil, auf dem sich Haare unaufgefordert auszubreiten trauen. So ist das eben mit der naturgegebenen Behaarung, die partout nicht auf unseren ästhetischen Anspruch Rücksicht nimmt. So zwingen wir sie eben in die Knie, indem wir den lästigen Härchen mit Rasierer, Wachs & Co den Garaus machen. Und mit wir meine ich Frau und Mann. Bei beiden Geschlechtern ist haartechnisch gesehen vom Hals abwärts alles fair game, denn aufgrund eines unausgesprochenen Gesetzes ist unser Haupthaar absolut erwünscht. Setzt am Kopf hingegen akuter Haarausfall ein, bricht Panik aus, aber an allen anderen Körperstellen würden wir uns diebisch darüber freuen. 

Gerade die jüngere Generation kennt dies nur mehr gerüchteweise oder von alten Urlaubsfotos ihrer Eltern. Vertraut mir, wenn ich euch sage, ich war dabei und bis in die 80er sah man in Europa tatsächlich Achselhaare soweit das Auge reicht. Es war vollkommen normal und niemand hat es irgendwie in Frage gestellt. Dann schwappte, wie so vieles, die Rasiermanie von den USA auch zu uns und das Ende ist Geschichte bzw glattrasierte Haut. Dabei ist dies kein Phänomen, das infolgedessen nur von den Jüngeren unter uns übernommen wurde, denn heutzutage wird bei vielen selbst jenseits der 70 durchaus konsequent enthaart. Ich rufe in Erinnerung - das ist jene Generation, die in den 80ern schon in den sogenannten "mittleren Jahren" und vor allem schön haarig unterwegs war.

kropekk_pl via Pixabay

Man stelle sich vor, wir würden von einem Tag auf den anderen aufhören, uns unserer als überflüssig betrachteten Körperbehaarung zu entledigen. Betrachten wir es als 80er Jahre Revival, so wie in der Mode nur ohne Schulterpolster oder Neonfarben, dafür mit buschigen Achselhöhlen und Wildwuchs in der Intimzone. Einige werden jetzt mit den Achseln zucken, weil es ihnen schlichtweg egal ist, während andere dies mit einem leidenschaftlichen "Na wähhh ... ist das grauslich!" kommentieren würden. Das Schlimmste kommt noch - da steckt eine ganze Industrie dahinter, die mit einem Mal Null Umsatz macht. Fakt ist: Werbung macht uns glauben, dass wir dieses und jenes brauchen, aber sie wäre nichts ohne den Druck, den die Gesellschaft ausübt, die ihnen auch Glauben schenkt. So ist glatte, haarlose Haut mittlerweile die Norm und von dieser abweichen wollen die wenigsten. Die Industrie bedient das Bedürfnis, diese Norm zu erfüllen und lassen in Werbekampagnen die Haarlosigkeit hochleben. Und der Euro rollt. 

Ist dies eine Aufforderung meinerseits, die Verkaufszahlen zur Enthaarung dienlicher Utensilien oder Prozeduren zu senken? Mitnichten. Ich finde, jede(r) soll es mit der eigenen Behaarung so halten wie er oder sie möchte, dabei allerdings anderen ebenfalls diese Entscheidung, vorzugsweise ohne blöde Kommentare, frei lassen. Ich meine, mal ehrlich, es sind nur Haare. Diese wachsen zu lassen ist kein Statement, sondern Natur. Das passiert, zum Ärger vieler, ganz von alleine und hört nie auf. Dies wiederum lässt sehr zur Freude von diversen Produzenten permanent die Kasse klingeln. Ein Trend wurde zum großen Geschäft und es ist nachvollziehbar, dass die dahinterstehende Industrie diesen so lange wie möglich am Leben erhalten will. Mir ist das jedenfalls herzlich egal. Im Sommer steuere ich meinen rasiertechnischen Beitrag bei, aber im Winter herrscht Natur pur. Dabei Geld zu sparen ist jedoch nicht der Grund für meine Entscheidung, sondern ein Nebeneffekt, den ich durchaus schätze.

Wie ist deine Meinung zu dem haarigen Thema? Kennst du noch andere Beispiele, wie Werbung im Laufe der Zeit unsere Körper mit bestimmten Produkt zu "optimieren" versuchte? 

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