Dienstag, 2. Mai 2017

{Shopping} Vom Blättern zum Surfen oder Erinnerungen an den Vorfahren des Shopping 2.0

Nachdem ich erst vor Kurzem nostalgisch über den guten alten Schilling sinniert habe, ist es eigentlich nur ein kleiner Sprung zu einem Relikt, das zwar noch nicht ganz ausgestorben ist, sich jedoch allem Anschein nach auf dem besten Weg dahin befindet. Wer in der Zeit vor der Einführung von Onlineshops auf bequeme Art einkaufen wollte, konnte nicht einfach zur Maus greifen und durfte stattdessen blättern. Gerade aus meiner Teenagerzeit sind mir die dicken Versandhauskataloge noch bestens in Erinnerung und wie habe ich deren Erscheinen im Postfach immer herbeigesehnt. Zwei Mal jährlich trudelten die Hauptkataloge ein und zum Drüberstreuen riefen sich Versandhäuser auch zwischendurch mit dünneren saisonalen Katalogen in Erinnerung. Kurz und gut, ich habe sie geliebt, wobei dieses Empfinden im Rückblick doch etwas fragwürdig erscheint, denn geärgert habe ich mich über sie ebenfalls oft genug.

Lange vor dem Ärger stand allerdings ein Ritual, das mir heute noch ein Lächeln entlockt. Gemütlich auf der Couch, mit Stift und Zettel bewaffnet, blätterte ich gewissenhaft die Modeseiten der Kataloge durch, machte mir Notizen und sah mich schon mit einer kompletten neuen Garderobe in die Saison starten. Da ich schon in frühen Jahren, mit wachem Auge und unterstützt von einem Taschenrechner, meine Ersparnisse in solche Entscheidungen berücksichtigte, lief der Prozess nicht immer optimal ab. Schließlich setzte ich mir stets ein Budget und ich darf stolz behaupten, dies immer eingehalten zu haben. Natürlich bedeutete dies im Umkehrschluss, dass wenigstens die Hälfte der begehrten Teile am Ende von meiner Wunschliste gestrichen wurden. Glücklicherweise wurde ich mir jedesmal mit mir selbst einig, was ich nicht nur haben wollte, sondern auch haben durfte.

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So verklärt ich nun zurückblicke, so lebhaft sind mir all die kleinen Stolpersteine, die eine Bestellung nach sich zogen, in Erinnerung. Heutzutage sieht man in Onlineshops auf den ersten Blick, was lieferbar ist oder eben nicht, zu jener Zeit war dies hingegen ein wahres Glücksspiel, wenn man einen Bestellschein per Post abschickte. Selbst wenn man telefonisch bestellte, hinkten die Systems dem tatsächlichen Warenbestand hinterher und erst am Lieferschein erfuhr man, was alles bereits vergriffen war. Besonders brutal war dies bei den Abverkaufsheften, die vor Erscheinen eines neuen Hauptkatalogs ins Haus flatterten. Da mussten Entscheidungen schneller getroffen werden als an einem McDonalds Schalter zur Mittagszeit, was Spannung sowie Enttäuschung in die Höhe schnellen ließen.

Hielt man am Ende, oft erst nach ein paar Wochen, das heiß ersehnte Paket in Händen, war es Zeit ein Stoßgebet Richtung Himmel zu senden. Mir persönlich hat dies in den seltensten Fällen geholfen, denn nichts konnte zur damaligen Zeit Hoffnung und Erwartung schneller zerstören, als ein Versandhauspaket zu öffnen. Nachlieferung. Ausverkauft. Ganz zu schweigen vom berüchtigten Falschheitstrio - falsche Farbe, falsche Größe oder gleich komplett falscher Artikel. Dies geschah vorzugsweise dann, wenn man ohnehin schon ewig auf eine Nachlieferung gewartet hatte. Letztendlich waren die Tage der Kataloge gezählt und so kann man sie heute zwar noch anfordern, aber das ist wohl eher etwas für die älteren Semester oder Internetverweigerer.

Dabei ist es keineswegs so, als bliebe man bei Onlinebestellungen von Ärgernissen verschont, aber verbessert hat sich im Vergleich doch einiges. Die Auswahl ist größer, die Kollektionen aktueller, die Beschreibungen aussagekräftiger und die Lieferungen um Welten schneller. Ob sich jemand bei den Größenangaben vermessen hat oder man den eigenen Umfang unterschätzt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Unterm Strich sind virtuelle Shops ein Fortschritt, nicht nur der Umwelt zuliebe, weil dafür keine Bäume gefällt werden müssen. Man kann mit dem Laptop genauso gemütlich auf der Couch sitzen und statt Notizen mit einem Klick Artikel auf die Merkliste setzen. Dann braucht man sich nur noch ans eigene Budget halten und hoffen, dass das Bild am Bildschirm hält, was es verspricht.

Hast du anno dazumal gerne aus Versandhauskatalogen bestellt? Vermisst du diese vielleicht sogar oder bist du froh über Onlineshops?

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