Dienstag, 12. September 2017

{Shopping} Die 24-Stunden Shopping-Diät oder von der (Un)sinnhaftigkeit der Ich-kauf-nix Strategie

Vielleicht geht es nur mir so, aber der seit einigen Jahren beliebte Ich-kauf-nix-Trend hat mittlerweile deutlich an Schubkraft verloren. Anfangs verschrieb man sich dem Konsumverzicht noch für ein ganzes Jahr. Obwohl sich hierbei durchaus Nachahmer fanden, ging in Folge nicht jeder aufs Ganze, sondern setzte stattdessen lieber auf eine überschaubarere Periode von einem Monat. Ganz offensichtlich war dies noch lange nicht das Ende vom Lied, denn seit einiger Zeit macht die scheinbar neueste Variante des Konsumverzichts Furore, nämlich der sogenannte Kauf-nix-Tag. Soweit ist es also gekommen, dass man sich dem Konsum in homöopathischen Dosen entgegenstellt.

Während ein ganzes Jahr zweifellos einiges an Ausdauer und Selbstmotivation voraussetzt und einem dabei sicherlich viel Zeit gibt, um das eigene Konsumverhalten kritisch zu betrachten, ist es im Gegensatz geradezu lächerlich, einen Tag pro Woche dem Shopping zu entsagen. Das ist in etwa so, als würde man eine Diät beginnen und einen Tag in der Woche Süßkram und Fastfood vom Speiseplan streichen. Hat man einen solchen Tag erfolgreich hinter sich gebracht, geht es weiter wie zuvor, vorzugsweise mit genau jenen Leckereien, die tags zuvor Tabu waren. Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass eine solche "Diät" weder merkliche Auswirkungen auf die Figur noch auf die Geldbörse haben wird. Genauso wie beim Abnehmen geht es um viel mehr als nur die "schlechten" Dinge vom Teller zu verbannen, denn ein zufriedenstellendes Resultat wird man im Endeffekt nur dadurch erreichen, alte VerhaltensEssmuster aufzubrechen und zu ändern. So verhält es sich ebenfalls beim Konsum, denn es geht nicht darum sich einen Tag, eine Woche oder einen Monat zu kasteien, sondern um eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Kaufverhalten und dem daraus resultierendem Umdenken.

asier_relampagoestudio via Freepik

Zwischen Sinn und Unsinn liegen nicht unbedingt Welten, jedoch definitiv Zeit. Will man etwas schaffen, so bedarf es eben einer gewissen Dauer, denn das Wenigste erledigt sich innerhalb eines einzelnen Tages. Ein Tag reicht vielleicht, um sich ein gutes Gewissen einzureden, dass man aktiv ein Zeichen setzt, aber langfristig bewirkt er wenig bis gar nichts. Seien wir doch ehrlich, diese 24 Stunden kann man recht gemütlich absitzen, schließlich ist morgen auch noch ein Tag und zwar ein solcher ohne kauftechnische Einschränkungen. Man zählt stolz das Geld, das man am Vortag gespart hat und belohnt sich unter Umständen sogar für das eigene Durchhaltevermögen, indem man den Betrag gleich wieder für dieses oder jenes ausgibt. So dreht man sich im Kreis und kommt niemals an.

Verzicht für eine Woche, ein Monat oder gar ein Jahr? Undenkbar für viele. Etwas nicht zu dürfen, selbst wenn man sich dies freiwillig auferlegt, hat einen bitteren Beigeschmack und wird oft sogar als Strafe empfunden. Ohne Leid keine Ersparnis, mag man denken, dabei ist dies ein gewaltiger Denkfehler. Es geht nicht einzig darum, eine bestimmte Zeit lang nichts zu kaufen oder Unsummen an Geld zu sparen, sondern um in Hinkunft bewusster zu konsumieren. Hierzu ein paar Anregungen und Denkanstöße:

  • Übe dich in alternativem Konsum, indem du Dinge leihst, tauscht oder diese teilst. 
  • Brauche auf, was du schon besitzt, bevor du dir Neues kaufst. 
  • Mache Dinge selbst, anstatt (aus Bequemlichkeit) andere dafür zu bezahlen. 
  • Sieh Reparatur und Upcycling als Option und Entsorgung als letzte Alternative. 

Der Sparfaktor ist natürlich ein nicht zu verachtender Nebeneffekt, aber nicht das absolute Ziel. Erst nach einer längeren Zeitspanne kristallisiert sich heraus, wofür man unnötig Geld ausgibt verplempert. Dies zu erkennen, ist so ziemlich der wichtigste Schritt überhaupt. Kommt Zeit, kommt Einsicht - dies geschieht sicherlich nicht von heute auf morgen, aber gut Ding braucht ja bekanntlich Weile.

Was hältst du grundsätzlich von dem Ich-kauf-nix-Prinzip? Wie sinnvoll (oder auch nicht) findest du es einen Tag pro Woche dem Konsum zu entsagen?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen