Mittwoch, 8. November 2017

{Shopping} Smörrebröd oder wenn sie keine Butter haben, dann sollen sie doch Margarine essen

Im Grunde wäre es mir ja gar nicht aufgefallen, aber nachdem es mittlerweile mehrfach in den Medien thematisiert und in meinem Beisein neben dem Kühlregal im Supermarkt mit unfreundlichen Worten kommentiert wurde, weiß nunmehr auch ich Bescheid. Der Butterpreis ist eine Frechheit! Dies liegt, wenig überraschend, daran, dass dieser nicht nur ein wenig gestiegen sondern gleich ordentlich angehoben wurde. Vielleicht haben ja die Kühe eine Gewerkschaft gegründet, dachte ich, während ich mir Margarine in den Einkaufswagen legte. Einerseits sind rund 25% Preisanstieg für sich genommen schon heftig. Andererseits bringen rund 50 Cent mehr für ein Packerl die monatliche Finanzplanung wohl kaum ins Wanken, außer man hat ein halbes Dutzend Mäuler zu stopfen, die pro Woche genauso viele Packungen Butter verschlingen.

Kurz und gut, der Butterpreis tangiert mich nicht, da ich sie praktisch nie verwende und höchstens ab und zu im Urlaub aufs Frühstücksbrot schmiere. Allerdings gebe ich zu, dass selbst ich nicht gefeit bin vor gelegentlichem Stirnrunzeln, wenn mir Preise gewisser Lebensmittel von einer Woche zur nächsten teurer vorkommen, was sich meist erst bei Kontrolle älterer Kassenzettel bestätigt. Mache ich deshalb jedes Mal einen Aufstand? Nein, schließlich wird alles irgendwann teurer und sei es nur um wenige Cent. Und wenn ich ein bestimmtes Produkt einfach wahnsinnig gerne esse und nur ungern darauf verzichten möchte, zahle ich eben den höheren Preis dafür. Und wenn alle Stricke reißen, dann finde ich eine Alternative in Form eines preiswerteren und zugleich g'schmackigen Kompromisses.

bruno neves via FreeImages

Vielleicht trifft es viele gerade deshalb so hart, weil in unserer Gesellschaft der Genuss von Milchprodukten fast schon so etwas wie ein kulinarisches Grundrecht ist. Darüber hinaus grenzt für manche schon die Vorstellung Butter durch Margarine zu ersetzen an Frevel. Da ist die Krise praktisch vorprogrammiert und dies, obwohl der Aufschrei in keiner Relation zu dem "Schaden" steht, den dieser Preisanstieg für das durchschnittliche Haushaltsbudget bedeutet. Da wird über 50 Cent lamentiert, große Scheine für irgendwelche unnötige elektronischen Gadgets werden allerdings ohne mit der Wimper zu zucken ausgegeben.

Also weshalb regen wir uns so sehr über geringe Beträge auf, jedoch nicht über die wirklich großen? Liegt es daran, dass wir uns hochpreisige technische Spielereien leisten wollen, obwohl sie nicht essentiell für unser Leben sind, und gleichzeitig, ein Anrecht auf billige Grundnahrungsmittel haben sollten, da wir diese zur Ernährung brauchen? Darf Luxus teuer sein, unser täglich Brotaufstrich aber nicht? Die persönlichen Prioritäten offenbaren sich, wenn man einen konkreten Vergleich zieht. Nehmen wir als Beispiel ein Smartphone*, dessen Kosten dem Betrag entsprechen, welchen man für ein Packerl Butter pro Woche für die nächsten drei Jahre bezahlen würde. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen.
*Welches man aller Voraussicht nach, spätestens nach zwei Jahren ohnehin gegen ein neueres nicht weniger teures Gerät tauschen wird.

Man stelle sich vor, wir könnten selbst bestimmen, wie teuer etwas (nicht) sein darf. Da würde die Wirtschaft in kürzester Zeit in die Knie gehen, wenn großflächig die Gier ausbricht. Vor allem kommen Preiserhöhungen nicht von ungefähr. Ursache und Wirkung. Angebot und Nachfrage. Während sich der eine unreflektiert aufregt, ist dem anderen bewusst, weshalb Preise für bestimmte Lebensmittel steigen (oder auch fallen). Jedenfalls liegt es nicht alleine am Handel, der sich da eine goldene Milchnase verdienen will, denn dieser muss schließlich selbst höhere Preise an Molkereien bezahlen. Und wer es noch nicht gewusst hat, Milch hat einen Kurswert, praktisch wie an der Börse. Dies ist vielleicht nicht ganz so spannend zu verfolgen wie die Goldpreise, aber durchaus interessant einmal gesehen zu haben. Jedenfalls, so flott ein steigender Kurs sich in höheren Verbraucherpreisen niederschlägt, so verzögert wird oft ein fallender Kurs durch Preissenkungen an den Konsumenten weitergegeben.

Lesempfehlung

Ist die Empörung über den gestiegenen Butterpreis deiner Meinung nach gerechtfertigt oder doch etwas übertrieben? Bei welchen Produkten stören dich Preiserhöhungen grundsätzlich am meisten?

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